Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-750007
Es stimmt mit dieser hohen Bedeutung des "Sitzes" in der 
menschlichen Vorstellung vollständig überein, dass unter allen Möbeln 
der Sessel als dasjenige gelten kann, dessen Lösung in ornamental- 
struetiver Beziehung zu den schwierigsten Aufgaben der Tektonik  
ohne alle Ausnahme des Stils  gezahlt werden darf; eine Schwierig- 
keit, welche wohl zunächst in dem schon erwähnten Umstand liegt, 
 dass die den Sessel und seine Form bestimmende und ihm gleichsam 
zum Motiv dienende Position des Sitzens eben eine zwischen Ruhe 
und Thätigkeit die Mitte haltende und daher nicht völlig ausge- 
sprochene Bethätigung ist. Denn es kann als zweifellos angesehen 
werden, dass eben die Idee des Möbels in ornamental-structivem 
Sinne gänzlich abhängig ist von dem menschlichen Willen und 
seiner angemessenen körperlichen Äußerung, von dem Zweck, der 
Absicht, welche wir mit der Benutzung des Möbels verfolgen. 
Je einfacher und ausgesprochener 
 diese ist, desto einfacher und klarer 
 wird die ornamental-structive Idee 
des Möbels sein, desto leichter auch 
ß die Aufgabe, diese Idee tektonisch 
s" a, zu verwirklichen.  
 o  Inzwischen ist der Grundge- 
"I danke des Sessels in rein tekto- 
 nischer Hinsicht sehr einfach und 
in allem wesentlich übereinstimmend 
 mit dem des Lagers. 
 Gleichwie bei diesem besteht 
Antiker Stuhl.     
 nämlich die Construetion in einer 
zur Aufnahme der Last bestimmten horizontalen Fläche, welche über 
eine durch Stützen getragenen Rahme gelegt wird. (Siehe die Illu- 
stration.) 
Jener Fläche, der Sitzfläche, fällt die eigentliche Hauptaufgabe 
hinsichtlich des Zweckes des Sitzmöbels, den Menschen zu tragen, 
zu, wogegen die Stützen und die übrigen noch zu besprechenden 
Tlieile des Sessels eigentlich nur indireet und zwar durr-h Vermitt- 
lung der Sitzfläche zu functionieren haben. 
Gewiss liegt in dieser, dem Gesammtziveek in einer bestimmten 
Rangordnung sich fügenden Stellungnahme der einzelnen Theile des 
Sitzes der eigentliche Fingerzeig für die richtige Lösung dieser 
tektonischen Aufgabe. 
        

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