Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749994
derartigen Orten sonst nicht reichen Möbel nur zustatten kommen 
kann. Eine ähnliche Doppelbedeutung haben die an beiden Seiten 
des Lagers angebrachten Zargenstücke. 
(Zu welcher Beziehung Möbeltheile in der Art der Kopflehne des 
Bettes noch überdies Veranlassung geben, wollen wir in der später 
unten folgenden Erläuterung der Sessellebne darlegen, weshalb das 
dort zu sagende für hier von rückbezüglicher Bedeutung sein wird.) 
Der 
Sitz. 
Wer würde verkennen, dass, gleichwie die aufrechte Haltung, 
der aufrechte Gang das eigentliche Merkmal der Fortbewegung des 
Menschen gegenüber der des Thieres ist,  (las Sitzen das gleiche 
specilische Merkmal bedeutet für den ruhenden Menschen? 
In der That ist das Sitzen eine vom Ruhen oder Liegen we- 
sentlich und principiell verschiedene Function, wie wir sie in der 
gleichen Klarheit und Scharfe an keinem einzigen Thiere wahr- 
nehmen können. 
Das Sitzen ist ein Ausruhen bei vorherrschend aufrechter 
Körperstellung. Es ist deshalb ein Mittelding zwischen völliger 
Ruhe, wie sie sich im Liegen ausdrückt, und der Thätigkeit, 
wie sie in der aufrecht stehenden oder gehenden Gestalt sich äußert. 
Das Sitzen ist eine ausschließlich dem menschlichen Körper 
angemessene Lage, dessen anatomer Bau allein eine solche ermög- 
licht. Dies ist ohne Zweifel die letzte Ursache der so merkwür- 
digen culturellen Bedeutung, welche bei allen Völkern der Sitz als 
Symbol und Repräsentant für Ehre, Macht und Eigenthum er- 
langt hat. Schon der sprachliche Gebrauch, welcher seine auf Cul- 
tur und Eigenthum bezüglichen Worte, wie „Sesshaftigkeit, Stamm- 
sitz, Wohnsitz 1)" u. s. w. aus dem Wlforte „Sitzen" ableitet, legt uns 
die Bedeutung dieser speciiisch menschlichen Ruheposition und ihren 
innern Zusammenhang mit der Vorstellung von Eigenthum nahe. 
Mehr äußerlich, dafür aber umso unmittelbarer geschieht dies 
dadurch, dass der Sitz zum sichtbaren, materiellen Symbol der Er- 
hebung, der Macht und der Auszeichnung für den Einzelnen wird; 
in seiner geringsten Form als Ehrensitz, dem ersten Sitz unter einer 
Anzahl minder bedeutungsvoller Sitze, in seiner höchsten Form aber 
als Thronsitz, bestimmt nur den allerersten eines Volkes, seinen 
Herrscher, aufzunehmen. 
Davon 
abgeleitet 
„Besitzung, 
Sitzung-u 
etc.
        

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