Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749967
Die 
menschliche 
Gestalt, 
der 
Maßstab 
des 
Möbels. 
In welcher Weise die menschliche Person die primitive bauliche 
Anlage beeinflusst und mit deren Gestaltung zusammenhängt haben 
wir schon im Capitel über die ntextilen Formen" in Kürze zu er- 
wähnen Gelegenheit genommen.  
Hier ist es uns darum zu thun, den gleichen Zusammenhang für 
die innere Einrichtung des Wohnhauses nachzuweisen, welcher Zu- 
sammenhang indessen, der höhern culturellen Aufgabe entsprechend, 
ein mehr ideeller, als rein materieller sein wird. 
Die technische Form jedwedes Gebrauehsgegenstandes richtet 
sich zunächst und vor allem nach der Art seiner Handhabung durch 
den Menschen. Diese selbst aber ist unmittelbar abhängig von der 
menschlichen Gestalt und ihren Bewegungsgesetzen. Ist doch in die- 
sem Sinne jeder Gebrauchsgegenstand dazu geschaffen, den Willen 
des Menschen in geeigneter Weise zu unterstützen  gleichgiltig vor- 
erst welchen bestimmten Zweck er verfolgt und also auch, ob er eine 
erhöhte Thättigkeit oder vielleicht das gerade Gegentheil hievon, eine 
erhöhte Ruhe, herbeizuführen strebt. 
In ersterer Beziehung nun wird uns jedes WVerkzeug, insbe- 
sondere aber die Angritfswafie als ein zutreffendes Beispiel der 
Unterstützung des menschlichen Willens gleichsam über die natür- 
lichen Grenzen des Leibes hinaus erscheinen, und die völlige Zweck- 
angemessenheit jedes solchen Erzeugnisses das bei seiner Gestaltung 
verfolgte Princip unmittelbar vor Augen führen. 
Weit weniger drastisch, aber gleichwohl ganz unzweideutig 
offenbaren sich solche Gebrauchserzeugnisse, welche; anstatt der 
menschlichen Thätigkeit, der menschlichen Ruhe zu dienen bestimmt 
sind, jener Ruhe nämlich, welche uns als Folge fortgeschrittener Bil- 
dung eines Volkes und als sicheres Symptom erhöhter geistiger Arbeit 
zu erscheinen hat, mit einem andern Worte, jener „Ruhe", wie wir 
sie mit der Vorstellung von Sesshaftigkeit in Verbindung bringen 
und wie sie uns als Merkmal eines civilisierten Volkes gilt im Ge- 
gensatz zu der rastlosen Bewegung wilder Nomadenstämme. 
Das 
Lager. 
Es kann uns füglich als die primitivste Form des Möbels, als 
die einfachste jener Vorrichtungen gelten, welche dazu dienen, den 
Menschen in seinem Wohnbedürfnisse zunächst zu unterstützen. Eine
        

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