Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749946
müssen wir es mit Freude begrüßen, wenn in dieser Richtung 
gelungene Versu che vorliegen. Ein solcher  ganz jungen Datums 
 ist die große, neue Eisenhrücke über den Donancanal in WVien 
("Stephaniebrüoläe"). Hier ist der structive Gedanke des Metall- 
stils glücklich auf die große bauliche Construction angewandt. Das 
Übertragen der Belastung des Brückenbogens auf die durch eine 
kräftige Ligatur von diesem getrennte, stützende Construction ist in 
ornamental-symbolischer Versinnbildlichung durch das echt metallische 
Motiv federnder Spiralen ausgedrückt. Der hiebei unvermeidliche, 
leise Anklang an das _Federnsystem barocker Prunkwagen ist ein ganz 
an emessener und durchaus gerechtfertigten 
g Dagegen freilich erhebt sich die stützende Construction, trotz 
0rnamental-decorativer Ausschmückung, nicht wesentlich über das 
trockene Schema technischer Nothwendigkeit. 
Sollte wirklich in den, dem Metall zu Gebote stehenden, über- 
großen Spannweiten die Hauptschwierigkeit für den Künstler liegen? 
Tektonik 
in 
Holz. 
(Das 
Möbel.) 
Allgemeines. 
Die Naturgeschichte hat längst die nfreie Bewegung" als eines 
der charakteristischen lliIerkmalc der höhern organischen Geschöpfe, 
also der Thiere, festgestellt im Gegensatz zur Gebundenheit an die 
Scholle der Entstehung, wie sie bei der Pflanze Gesetz ist. 
Aber die Freiheit der Bewegung ist auch beim Thiere keine 
absolute d. h. völlig willkürliche und an keine natürlichen Schranken 
gebundene. Nicht bloß, dass diese Schranken dem Thiere durch den 
Bau seiner Bewegungsorgane und die Mittel, in welchen die Be- 
wegung vor sich geht, also Luft, Wasser und Festland, gezogen 
sind, sondern auch in Hinsicht auf seine ganze übrige Natur, sowie 
auf den hauptsächlichen Zweck seiner Bewegung, die Ernährung, ist 
das Thier auf bestimmte, begrenzte Bezirke angewiesen. Es sind 
dies die Bezirke seines natürlichen Vorkommens, innerhalb welcher 
die zu seiner Existenz nothwendigen Bedingungen erfüllt sind. 
In einem dem Verhältnis der menschlichen Natur zur thierischen 
proportionalen Maße gilt nun das Analoge auch für den Menschen. 
Auch seine Bewegung, obwohl unendlich freier als die des Thieres, 
ist zuletzt innerhalb gewisse Schranken gebannt, welche hier jedoch - 
weit entfernt ein Zeichen schwächlicher Abhängigkeit zu sein 
        

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