Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749863
Eine systematische Zusammenstellung und genaue Classifica- 
tion der zahlreichen Formentypen, welche die Spirallinien in ihrer 
tVerbindung untereinander und mit der Geraden ergeben, kann hier 
nicht geboten werden; doch ist diese Seite des Gegenstandes sehr 
erschöpfend durchgearbeitet in der kleinen, aber inhaltsreichen 
Schrift C. Sittes „Über Technik und Ausbildung des Rundeisen- 
gitters der Renaissance," welche deshalb auszugsweise in dem zunächst- 
folgenden benützt wurde. 
Zweifacher Typus der Spiralformen: 1. Die Proportionalspirale; 
die innerhalb der Curvenabschnitte liegenden Radientheile verjüngen 
sich allmählich und gleichmäßig gegen den Mittelpunkt der Curve. 
2. Die Parallelspirale; die Ourvenabschnitte bleiben sich gleich. 
Proportionalapirale. 
Parallelspirale. 
(Die dritte algebraische Möglichkeit, nämlich die, dass die Theile 
gegen den Mittelpunkt stetig zunehmen, ist aus geometrischen Gründen, 
wie die Construction sofort ergibt, ausgeschlossen.) 
Es verdient als beachtenswerte, kunstgeschichtliche Thatsache 
erwähnt zu werden, dass der Unterschied in diesen beiden Spiral- 
formen zugleich ein trennendes Hauptmerkmal des Hetallstils älteren 
und jüngeren Datums ist. Die Schmiedceisengitter der frühen roma- 
nischen Periode weisen durchwegs die Form der Parallelspirale auf, 
während mit dem Eintritt der Renaissance auf dem Gebiete der 
Schmiedeisenkunst (im Anfange des 1G. Jahrhunderts) die elegante 
Proportionalspirale jene Form verdrängte. Einer noch spätern Zeit 
(dem Ende des 16. Jahrhunderts) war es, wie schon erwähnt, vorbe- 
halten, neben der Spiralform die gerade Linie einzuführen, bis end- 
lich, ganz zuletzt, (gegen Ende des 17. Jahrhunderts) diese Gerade, 
dem allgemeinen Zuge jener barocken Zeit folgend, zur geschweiften 
Linie wird, womit die Formensprache des Schmiedeeisengitterstils 
abgeschlossen erscheint.
        

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