Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749738
Zweck geboten war. - Anknüpfend an das dortselbst Gesagte muss. 
nun in Erinnerung gebracht werden, dass auch für die uns hier be- 
schäftigenden tektonischen Materialien von vornherein dieselbe zwei-- 
fache Möglichkeit des Verbindens besteht wie für die textilen Stoffe. 
Nämlich: Entweder die Verbindung erfolgt mit Hilfe selb- 
ständiger Verbindungsthcile oder aber bloß vermöge der zu ver- 
bindenden Tlieile selber. 
Da ist es nun zunächst an sich klar, dass in demselben llIaße, 
als die formelle Gestaltung des Elementes selbständiger, seine so- 
zusagen körperliche Integrität größer ist, auch seine Fähigkeit, sich 
selbst und ohne Beihilfe eines Dritten mit dem Nachbartheile zu 
verbinden, geringer wird; aus dem Grunde, weil jedes Verbinden 
ein Anpassen an den Nachbartheil voraussetzt, welchem eben jede 
selbständige formelle Gestaltung entgegensteht.  Im Einklang 
damit können wir uns daran erinnern, dass für den Faden  als 
einem bieg- und sehmiegsamen und mit geringer Integrität ausge- 
statteten Produete  die vorherrschende Verbindung diejenige mit 
alleiniger Zugrundelcgung der zu verbindenden Theile selbst ist. 
Dagegen müssen wir als die nächstliegende und einfachste Art. 
der Verbindung starrer Theile (der Stäbe) diejenige mit Hilfe eines 
selbständigen Verbindungsstückes bezeichnen. 
Erst in zweiter Linie und als abgeleitet wird sodann im Tek- 
tonisehen jene Verbindungsweise zu betrachten sein, welche durch 
geschickte eonstruetive Gestaltung der zu verbindenden Theile selber 
das Verbindungsstück ganz oder theilweise überflüssig macht, indem 
sie dasselbe gewissermaßen in die zu verbindenden Theile hinein- 
verlegt.  Weil nun dies aber nicht ohne Veränderung der letzte- 
ren vor sich zu gehen vermag, so ist diese tektonische Verbindungs- 
weise nicht ganz analog jener primitiven textilen, welche die Theile 
an sich und ohne Veränderung (construetive Umgestaltung) zusam- 
menfügt, sondern abgeleitet und zwar offenbar aus der Methode mit 
selbständigem Verbindungsstück.  Dieses für das Wesen des tek- 
tonischen Gefüges, insbesondere im Gegensatze zum textilen Lage- 
rungssystem, so überaus wichtige Saehverhältnis wird aus dem 
nunmehr nachfolgenden völlig deutlich erhellen. 
TektonischeVerbindung mit Hilfe eines Verbindungstheiles. 
Das Entfernen der Theile A und B in den beiden Pfeilrichtungen 
soll verhindert werden und zwar im Sinne der in der Einleitung 
über das ntextile Product" gegebenen Erklärung.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.