Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749727
dennoch jedem einzelnen derselben eine viel bestimmtere, nur ihm 
eigenthümliche, also individuelle Stellung zu  sowohl (und zwar 
zunächst) in Bezug auf die Construction, als auch  infolge hievon 
 in Bezug auf seine ornamentale Bedeutung: Das einzelne tekto- 
nische Element, obgleich noch der Gesammtheit untergeordnet, 
entbehrt somit nicht einer gewissen individuellen Selbständigkeit.  
Auf derselben Stufe mit dem Tektonischen steht in dieser Be- 
ziehung die llIaurerei. Zwar die Mauer an sich, mit ihrem völlig 
rhythmischen Gefüge, ist offenbar dem Textilen am nächsten, allein 
sofern wir in der Maurerei die einzelnen, die Rhythmik der Mauer 
unterbrcchenden, individuellen Architekturtheile, also die Gesimse, 
Capitäle, Säulen u. s. w. ins Auge fassen, tritt die nahe Verwandt- 
schaft dieser Kunst mit der Tektonik auffallend hervor.  Daraus 
ergibt sich folgendes: 
1. Die Bestandtheile in der Tektonik und lllaurerei, obwohl sie 
als solche einem structiven System angehören, sind, an sich betrach- 
tet, mehr oder weniger plastische Gebilde, d. h. sind Individuen 
mit bestimmt ausgeprägtem, selbständigem Wesen?) 
2. Die tektonischen Materialien haben eine zweifache Aufgabe: 
Erstens, sich im Gesammtwerl: der structiven Gestaltungsweise zu 
fügen und zweitens, sich im Detail plastisch gestalten zu lassen. 
In dem nachfolgenden Abschnitte (über das technische Product) 
werden wir die tektonische Form nach dieser zweifachen Aufgabe 
zu untersuchen haben, einerseits nämlich in ihrer Eigenschaft als 
Bestandtheil des ganzen tektonischen Systems, andrerseits aber auch 
als einzelnes Stück in ihrer plastischen Gestaltung. 
Das 
technische 
Product. 
Die 
tektonischen 
Verbindungen. 
YVir haben schon zu Anfang des Capitels über die ntextilen 
Fermen" den Grundgedanken der technischen Verbindung im allge- 
meinen und insoweit gekennzeichnefc, als es für den damaligen 
1) Vollends die Theile der gänzlich plastischen keramischen Kunstweise sind 
(wie wir uns noch näher zu überzeugen haben werden) gänzlich individuell und in 
ihrer Art stets vereinzelt am selben Stück, so der Fuß, der Hals, die Lippen eines 
Gefäßes, selbst der Henkel, obgleich er luaarweise vorkommen kann. Sie alle sind 
ausgesprochene Individuen, welche eine ihnen allein eigenthümliche und anschließ- 
liche Function zu erfüllen haben, (Siehe Keramik II. Theil.)
        

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