Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749717
nehmen berufen ist,  freilich nicht ohne seine Herkunft aus dem: 
Holzstile allezeit unverhohlen zur Schau zu tragen: Grund genug 
für den denkenden Architekten, sich dieses Motives mit einer ge- 
wissen Vorsicht zu bedienen und nicht etwa ganze Fagaden in Rah- 
men und Füllwerk aufzulösen. 
Die 
Tektonik, 
ein 
structives 
Werk 
mit 
plastischem 
Detail. 
WVir sind genöthigt, uns abermals auf eine in der Hauptein- 
theilung der technischen Künste gemachte Unterscheidung zu beru- 
fen und zwar auf den angeführten principiellen Gegensatz zwischen 
denjenigen technischen Gebilden, welche aus einzelnen Theilen zu- 
sammengefügt und solchen, welche aus einer einzigen Masse durch 
'l'ransformation oder Theilabtrennung entstanden sind. 
Dass nun dieser wichtige Gegensatz in der technischen Methode 
sein Analogon in den Materialien, welcher sich die technischen Kün- 
ste bedienen, selber hat und in ihnen gleichsam vorbereitet wird, 
dürfte an sich einleuchten  ebenso, dass es Materialien gibt, welche 
sowohl im Dienste der plastischen als auch der zusammenfügenden 
Ktmstwveise ihre Anwendung finden  d. h. sowohl die physikalische 
Eignung in sich tragen, aus der vollen Masse gestaltet zu werden, als 
auch, die Bestandtheile eines Gefüges abzugeben. 
Es kann nach dem bisher Vorgebraehten keinem Zweifel mehr 
unterliegen, dass vor allen anderen Materialien die der tektonischen 
Kunst diese Eignung haben und solcherart gleichsam in der Mitte 
jener langen Reihe von Stoffen liegen, welche, mit ihrem Anfange 
noch gänzlich der structiven Produetionswveise angehörend, (Textil- 
stoffe) in ihrem weiteren Verlaufe immer mehr ins Gebiet der plasti- 
schen Kunstweise hineingreift. 
In demselben Maße nun als ein technisches Product in dieser 
Reihe aufsteigt, d. h. sich von der structiven Kunstweise entfernt 
und der plastischen nähert, in demselben llIaße gewinnen seine Theile 
an individueller Selbständigkeit.  Ein Blick auf die verschiede- 
nen Gebiete der technischen Kunst wird dieses merkwürdige Sach- 
verhältnis uns erläutern. 
Im Textilen tritt das einzelne technische Element, der Faden, noch 
gänzlich als Massentheil auf, d. h. verschwindet als Einzelnes in der 
rhythmischen Gesammtheit ohne individuelle Bedeutung zu erlangen. 
Im "Pektonischen dagegen  (denken wir z. B. an das Schmiede- 
eisengitter)  kommt, obwohl die -Theile sich wiederholen können,
        

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