Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749694
anstriche größere Dauerhaftigkeit gegen die Feuchtigkeit zu ver- 
leihen.  Jedesfalls ist die Holzbemalnng eine urprimitive Kunst, 
denn wir finden sie nicht nur bei den allermeisten Naturvölkern 
überhaupt in Anwendung, sondern auch nach denselben Gesichts- 
punkten und gleichen Principien gehandhabt, was  soferne ein 
gemeinsamer Ursprung ausgeschlossen ist  stets auf die Urthüm- 
lichkeit des technischen Verfahrens schließen lässt. 
Die Farbenscala, deren man sich sozusagen naturgemäß bei der 
Holzbemalung bedient, ist eine durch das Gelb, als dem wirklichen 
Localton des Holzes bedungene und von ihm gleichsam abgeleitete.  
Neben dem Gelb, das schon durch einfachen farblosen Lackanstrich 
des Holzes erzielt wird, tritt das Roth auf, ein gleichsam bloß ver- 
stärktes, verdunkcltes Gelb, welchem sich sodann die complementäre 
Ergänzung, das Blau, hinzugesellt.  Weiß und Schwarz  als 
eigentlich farblose und insofern neutrale Repräsentanten des Lichtes 
und der Dunkelheit  vervollständigen diese primitive Scala. 
Die Waifen und Gerathe der meisten Naturvölker, insbesondere 
der nordamerikanischen Indianerstämme, sind mustergiltige Beispiele 
derartiger Holzmalerei. 
Mängel des Holzes. Wir kommen nun dazu, eine Reihe von 
Mängeln des Holzes anzuführen, welche gleichwohl als Vorzüge er- 
scheinen, sobald sie im materialgerechten. Sinne bei der technischen 
Bearbeitung berücksichtigt und verwertet werden. Sie gaben nicht 
selten die Ursache gewisser stilistischer Erfindungen von großem 
Werte ab: 
S0 gleich der erste Mangel des Holzes, seine geringe Dauerhaftig- 
keit, welche das Beizen und Bemalen veranlasste, worüber soeben als 
einem wesentlichen ldactor des Holzstiles gesprochen worden ist;  
cles weiteren die bekannte Eigenschaft des Holzes, sich zu werfen, 
zu schwinden und zu reißen. 
Zunächst das Reißen; man wird ihm technisch am besten 
begegnen, wenn man zu große Flächen vermeidet und das Zu- 
sammensetzen des Holzes aus kleineren Theilen in Anwendung 
bringt. 
Wir haben hierin einen ersten Hinweis auf die Technik der 
Holzmosaik zu erblicken, welche im übrigen durch das YVerfen des 
Holzes herbeigeführt worden sein dürfte.  Das Werfen des Holzes 
beruht darauf, dass in dessen Fasern bis zu seinem gänzlichen Trocknen, 
das sehr langsam vor sich geht, ungleiche Spannungen entstehen, 
welchen in ihren üblen Consequenzen am besten begegnet wird,
        

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