Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749677
charakteristisches Merkmal der hölzernen Bauweise gegenüber der 
in Stein sind, dessen geringe relative Festigkeit ganz andere Ver- 
hältnisse (insbesondere in der Weite zur Höhe) in den Ausladungen 
herbeiführt.  Ein zweites, gleichfalls auf der relativen Festigkeit 
des Holzes beruhendes Charakteristikon des Holzstiles sind die 
großen Axenweiten der Holzbauten, resp. die großen Längen der 
horizontalen Lager. 
Das Holz hat zweitens außer seiner relativen auch noch eine 
große absolute Festigkeit, d. h. Festigkeit gegen das Zerreißen.  
Die Verwendung des Holzes auf Grundlage dieser Eigenschaft er- 
folgt nun im Hängewerk, auf welchem Constructionsprincipe nicht 
bloß die Anlage des Dachstuhles, sondern auch die einer Menge 
hängender Gerüste beruht, wie sie (nach alten Berichten) schon die 
Antike sehr häufig verwendet haben muss und wie sie noch heute 
in den Schweizer und Tiroler Häusern mit ihren herumlaufenden 
Gallerien einen streng architektonischen Ausdruck finden. 
Was endlich die dritte Festigkeitsart des Holzes, die gegen den 
Druck anbelangt, so ist auch sie nicht ohne Einfluss auf die Holz- 
formen. 
Im Vergleiche mit dem Stein gebracht ergibt sich nämlich für 
alle hölzernen Stützen, entsprechend dem geringeren specitischen 
Gewichte des Holzes im Vergleiche zum Stein,  größere Schlank- 
heit der Verhältnisse. Allerdings aber scheint hiebei auch die na- 
türliche Gestalt des Materiales, welche beim Holz wie bei keinem 
andern für die Stütze prädestiniert ist, ihren Einfluss geltend zu 
machen, so zwar, dass die Verhältnisse der hölzernen Säule schon 
bis zu einem gewissen Grade als vorgebildet betrachtet werden 
können in den Verhältnissen des natürlichen Wachsthumes. 1) 
Die Fläehennatur des Holzes. Außer in der Gestalt seines 
natürlichen YVachsthumes (als stabförmiges Gebilde) kommt dem Holz 
auch noch eine grundsätzliche Verwendung in Form des Brettes zu, 
dessen Erzeugung auf der Eigenschaft des Holzes, sich in mehr oder 
weniger dünne Flächen zerschneiden zu lassen, beruht. 
1) Wir dürfen in Hinsicht auf die Festigkeitsarten das eigentlich tektonische 
Holzwerk, das Möbel, übergehen, da. das statische Moment im Möbel fehlt.  Das 
Möbel, obwohl ursprünglich (lurelnaus llolzwerk, ist dennoch lediglich durch die 
tektonisch-formalen Eigenthümlichkeiten des Holzes in seinem Stile bestimmt, 
wie sie sowohl in dem nachfolgenden Absatze, als auch weiter unten in dem Ab- 
schnitte über die "tektonische Verbindung" zur Sprache kommen werden.
        

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