Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749650
Wir wissen, dass die plastische Kunstweise ihre Formen auf 
zweierlei Weise hervorbringt, entweder nämlich durch Abnehmen von 
Theilen der Masse oder durch Transformation (Umformung) derselben. 
 Die erstere Methode ist nun vornehmlich die des Holzes und das 
plastisch gestaltete Holzwcrk stets und ausnahmlos Schnitzerei, selbst 
in den Theilen des in seiner Gesammtheit structiven Holzgerüstes 
der Tektonik.  Dagegen beruht die plastische Bearbeitung des 
Metalles wesentlich auf der zweiten Methode, nämlich der Transfor- 
mation der Masse. Denn die beiden metalloteehnischen Haupt- 
künste; das Metallschmieden und der Metallguss, gehörenmfiieser 
Methode an?) 
Holz und Metall stehen somit hinsichtlich ihrer plastischen 
Bearbeitungsfähigkeit in einem Gegensatze, wie er durch die beiden 
plastischen Kunstmethoden repräsentiert erscheint und verursacht 
wird durch den speziüsclien Unterschied in denjenigen Eigenschaften 
dieser beiden Materialien, vermöge welcher sie als plastische Bild- 
stoffe gekennzeichnet sind: Das ist ihre Härte, ihre Festigkeit, ihr 
specifischer Aggregatzustand. 
Ganz allgemein wird sich dieser Unterschied zwischen Holz und 
Metall in Folgendem zusammenfassen lassen.  
Das Holz setzt der Verschiebung seiner Theilchen einen ab- 
soluten iViderstand entgegen, es ist nicht transformabel. 
Das Metall fügt sich auf die eine oder andere Weise (durch 
Gießen oder Hämmern) der Theilverschiebung, es ist transforma-bel. 
Für das Holz ergibt sich daraus als erstes und wichtigstes Merkmal, 
dass es in der ornamentalen Form, sofern diese nicht durch Abtren- 
nung herbeigeführt wird, seine natürliche Gestalt im Wesent- 
lichen beibehält.  Da nun diese in der Regel geradelinig ist, d. h. 
das natürliche Wachsthtlm beim Holze nach der Geraden erfolgt, so 
resultiert daraus als wesentliches Merkmal der ornamentalen Form in 
Holz die G eradlinigkeit.  Dies wird vor allem da sich deutlich 
ansprechen, wo das Holz als Balken oder Stab zur Verwendung 
kommt, also in der tektonischen Construction. Selbst die freiesten 
ornamentalen Detailverzicrungen des einzelnen tektonischen Elements 
(des Stabes), also die Einkerbungen, Auskehlungen und alle übrigen 
"Schnitzereien, welche bestimmt sind, den glatten, kantigen Stab zu 
1) Die metallotechnischen Flächenkünste, wie das Gravieren, Oiselieren u. s. w. 
kommen, obwohl der Methode der Theilabtrennung untergeordnet, dem plastischen 
Gesammtwerke gegenüber nicht in Betracht.
        

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