Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749621
dem Werkzeuge entgegengesetzten materiellen Widerstandes des 
Metalles, und alle iEigenthümliehkeiten dieses werden daher im 
Schmiedeeisenwerk ihren angemessenen formalen Ausdruck finden, 
gleichsam Zeugnis ablegend von dem Kampfe zwischen natürlichen 
und technischen Kräften.  Beim Gusswerk dagegen ist die Form, 
welche im Modelle vorgebildet ist, zunächst und vorerst noch gänz- 
lich unabhängig von ihrem eigentlichen Materiale  d. i. dem 
Metalle,  in welches sie erst nach ihrer bildnerisehen Vollendung 
übertragen wird.  Das gegossene Werk wird sich deshalb in dem- 
selben Maße von den specifisehen Eigenthümlichkeiten des Metallstiles 
entfernen, als diese bei der eigentlichen Gestaltung des Stoffes weniger 
in Betracht kommen; dagegen ist es in seiner Form gänzlich abhän- 
gig von dem „Stile" des Modells, welches, in Thon geformt, stili- 
stisch der freien Willkür des Künstlers anheimgestellt bleibt. 
Bezeichnend für diesen Gegensatz der zwei metallotechnischen 
Methoden und seine stilgerechte Bedeutung ist im Übrigen die ge- 
schichtliche Thatsache, dass die alte Rivalität zwischen beiden in 
der hellenischen Kunst schließlich mit dem Siege der ersteren  
also der Kunst des Metallhätmmerns (der Toreutik) 1) endete  indem 
zur Blütezeit der hellenisohen Plastik, also zu Phidias Zeiten, die 
älteren Traditionen der toreutischen Kunst gegenüber den neueren 
Bestrebungen des Metallgusses wieder aufgenommen und zu höchster 
Vollendung gebracht wurden?) 
In Bezug auf unsere Zeit muss dagegen die kunstgcschichtliehe 
Thatsaehe eonstatiert werden, dass die monumentale Metallotechnik 
ein für allemal und principiell sich für Methode und Stil des Erz- 
gusses entschieden hat (also für das "Modellieren" in Thon, anstatt 
in Metall), weshalb denn alle Werke der modernen Bildhauerkunst, 
 WVorunter die unmittelbare Bearbeitung des Metalles mit dem Hammer, 
Meißel und anderen Werkzeugen, also ehensowohl das Treiben als das Ciselieren zu 
verstehen ist. 
2) "Dieser Zeitpunkt verschaffte der Toreutik nicht nur Geltung als selbständige 
Kunst, er führte sogar eine gewisse Unterordnung aller übrigen bildnerischen Künste 
unter ihren Stil und Einfluss herbei.  Mit Recht wird daher Phidias als der 
Begründer der Toreutik bezeichnet, denn er brachte diese Kunst zu höchsten Ehren, 
sowie Polyklet, der sie weiterbildete. Auch Myron,iKalamis und Kallimachos heißen 
Toreuten und waren es; nicht nur in kleineren Kunstgeräthen u. dgl. deren Ver- 
fertigung sie nicht; verschmähten; auch in ihren großen YVerken, selbst in ihren Erz- 
güssen und Marmor-werken waren sie Toreuten.  Die colossale erzgegossene Athene 
Promachos auf der Burg von Athen wurde durch den Toreuten Mys mit eingelegter 
Arbeit und Ciselierung vollendet."  Semper II. Band. 515.
        

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