Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749613
Eisen sich mit dem Kohlenstoff der beigemengten Kohle verbindet.  
Das durch die hohe Temperatur bei gleichzeitiger Kohlenstoffauf- 
nahme flüssig gewordene, im untern Theile des Ofens sich sammelnde 
Eisen wird abgelassen und in Sandformen geleitet, wo es erkaltet. 
Das so gewonnene Product enthält 4-5010 Kohlenstoff und führt 
den Namen "Roheisen".  Aus schwer schmelzbaren Erzen erzeugt 
liefert es das Material zum Eisenguss, das sogenannte Gusseisen. Das 
Roheisen wird nun zu Schmiede- oder Stabeisen verarbeitet, indem man 
es vom Kohlenstotfgehalt und der beigemengten Schlacke befreit. 
Dies geschieht durch Erhitzen desselben bis zum Weichwerden 
bei Zutritt des athmosphärischen Sauerstoffes und gleichzeitigem 
mechanischen Durcharbeiten (Frischprocess). 
Das Schmiedeeisen enthält bis zu 08010 chemisch gebundenen 
Kohlenstoff, ist grauweiß und glänzend, sehr zähe und geschmeidig, 
schmiedbar, das heißt mit dem Hammer sowohl im kalten als im 
glühenden Zustande zu bearbeiten, bildsam, in Weißglut schweißbar, 
dagegen nicht schmelzbar wie das Roheisen. 
Schmiede 
und 
Gussmetall 
im 
Allgemeinen. 
Das Schmiedewerk und das Gusswerk, da sie unmittelbar auf dem 
Metalle wesentlichen und hervorragenden natürlichen Eigenschaften 
beruhen, müssen wir beide vom technischen Standpunkte aus als völlig 
berechtigte und willkommene Methoden der Metallotechnik begrüßen. 
In welchem Gcgensatze aber stehen, genauer betrachtet, diese 
beiden metallotechnischen Hauptkünstel Das Schmiedewerk, hervor- 
gegangen aus dem unmittelbaren Angriff des Hammers auf den 
metallenen BildstoPf,  ein gleichsam über die natürlichen Kräfte 
des Stoffes in gewaltigem Kampfe errungener Sieg;  dagegen das 
Gusswerk, das Abbild der auf die geschmeidig-flüssige Metallmasse 
übertragenen im gefügigen Thone vorgebildeten Form,  eine den 
Naturkräften des Stoffes gleichsam abgeschmeichelte, mehr durch 
Klugheit als Gewalt vollbrachte Leistung! 
Es kann nicht zweifelhaft sein, welche von den beiden Tech- 
niken wir im Sinne der von uns hier vertretenen Auffassung (der 
Abhängigkeit des Stiles von den natürlichen Eigenschaften des Mate- 
riales und seiner Bearbeitung) als die gleichsam höhere betrachten 
müssen  ebenso wenig, als es zweifelhaft sein kann, dass ein stili- 
stischer Unterschied zwischen diesen beiden metallotechnischen 
Künsten auch wirklich besteht.  Um diesen letzteren festzustellen: 
Beim Schmiedeeisenwerk ist die Form unmittelbar das Resultat des 
Feldegg, Grundriss der kunstgewerbl. Formenlehre. x 7
        

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