Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749571
Mannigfaltigkeit ihrer Erzeugnisse anbelangt, auf einer hohen Stufe 
steht. Trotzdem ist sie im Vergleich zu allen tibrigeniZeiten, ohne 
Ausnahme, arm an Mannigfaltigkeit der Trachten, freilich nicht zum- 
Vortheil der Sache, welche nicht selten bei grundverschiedener 
Beschaffenheit des Stoffes auch eine Verschiedenheit im Zuschnitt 
wünschenswert erscheinen ließe. 
Wir haben uns unter den diesbezüglichen Voraussetzungen 
unserer Zeit dem allgemeinen Stilerfordernis der Gewandung inso- 
weit unterzuordnen, als wir weder nach einer überreichen bauschi- 
gen Gewandung (wie etwa um die Mitte des 18. Jahrhunderts), noch 
nach einer zu tricotmäßigen und engen Kleidung (wie etwa zu Anfang 
unseres Jahrhunderts) greifen sollen; jenes nicht, weil es ein ästhe- 
tisches Recht der menschlichen Gestalt ist, im Gewand wohl ver- 
hüllt, doch nicht versteckt zu erscheinen; dieses nicht, weil die 
Natur des Gewands, als Stoffliches, nicht aufgehoben werden darf, 
was in einem engen, die Naturform glatt umspannenden Überzug 
(nicht Anzug!) geschieht; ganz abgesehen von einem gewissen An- 
standsgefühl, welches uns verbietet, in der bekleideten Person gleich- 
sam einen Menschen mit doppelter Haut zu erblicken. Im Frauen- 
gewand wurde gegen den letztern Grundsatz  in der Hauptsache 
wenigstens  niemals gefehlt; eben weil das Anstandsgefühl hier zu 
allen Zeiten stark genug war. 
In diesem Sinne würde sich empfehlen, die untern, den Leib 
unmittelbar umgebenden Gewandtheile enger (aber deshalb nicht 
tricotartig), die obern dagegen weiter und faltiger zu halten; (ins- 
besondere der Mantel sollte des Faltenwurfes nicht entbehren und 
ist deshalb in seiner modernen lilagon vielleicht das stilloseste aller 
Kleidungsstücke). Diese principielle Trennung käme sowohl den 
ästhetischen Forderungen im allgemeinen, als auch den praktischen 
unseres Klimas entgegen. 
In klimatischer Hinsicht wäre sodann, schon den mittleren Ver- 
hältnissen unserer Gegend entsprechend, eine zwischen enganliegend 
und stark-faltig die Mitte haltende Gewandung am angemessensten. 
Bei sonst gleicher Qualität ist nämlich jene Gewandung entschieden 
leichter, diese wärmer, aus dem bekannten Grunde, weil die Luft- 
schichte zwischen Körper und Gewand als schlechter Wärmeleiter 
fungiert. Sofern nun das leicht ablegbare, obere Gewand zugleich 
das faltige, wärmere, das untere, engere, aber das bleibende wäre, 
erschiene auch den Jahreszeiten unseres Klimas vollauf Rechnung 
getragen-Nicht so einfach sind jene Verhältnisse, welche wir
        

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