Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749563
Berufstrachten. 
Von den eben geschilderten Factoren grundsätzlich verschieden 
müssen wir jene Bedingungen im Kleiderwesen bezeichnen, welche die 
freie Selbstbestimmung einzelner Menschen zur Voraussetzung 
haben; es sind diejenigen, welche aus der Berufsbeschäiftigung her- 
vorgehen und im ganzen für die meisten Völker die gleichen sind. 
Erst in Verbindung mit der nationalen Eigenthümliehkeit eines 
Volkes ergeben sich auch hier Unterschiede, wie sie uns z. B. bei 
der Kriegertraeht und anderen Berufstraehten verschiedener Völker 
entgegentreten. Diese Art der Costümbildung ist aber bei weitem 
abhängiger von dem allgemeinen Zuge der Zeit, ihren Errungen- 
schaften und Bestrebungen, als jene oben geschilderte nationale. 
Denn der menschliche Beruf, indem er eine Wissenschaft, eine Kunst, 
ein Gewerbe oder sonst eine Beschäftigung zur Voraussetzung hat, 
richtet sich wie diese nach dem Schritte der Zeit. 1) 
Indem hier aber die Entwicklung des Costüms in ihren Ursachen 
verknüpft ist mit der Veränderung der Cultur, wird sie zur Mode, 
welche nichts anderes ist, als die im Einklange mit der Zeit befind- 
liche Bekleidungsweise des Einzelnen. 
Darausfolgende 
allgemeine Grundsätze 
unserer Zeit. 
für 
die Tracht 
YVir haben nach alledem dreierlei Stilerfordernisse zu unter- 
scheiden, welche die Tracht einer Zeit und eines Volkes bestimmen: 
1. Allgemeine Stilerfordernisse, 2. Klimatische (locale) und 3. Cul- 
tureile. 
Die Erstem: Sie sind naturgemäß die constantesten und von 
der Culturbewegung und dem Klima nur insofern abhängig, als diese 
beiden auf die Textilproduction einen Einfluss nehmen. Die Art 
des Stoffes nämlich macht einen gewissen Unterschied in der Art 
seiner Verwendung im Gewande nothwendig und beeinflusst dadurch 
den Zuschnitt desselben; doch wirddieser Einfluss gegenüber den 
oben angeführten allgemeinen Merkmalen des Gewandes von relativ 
geringer Bedeutung sein. Speeiell unsere Zeit und ihren aus die- 
sem Verhältnis resultierenden Costüm-Charakter anbelangend, kann 
gesagt werden, dass die Textilproduction, insbesondere was die 
 XVelch ein NViderspruch wäre in diesem Sinne z. B. heute ein stahigepanzerter 
Krieger, da, die moderne Schusswaffe jedes metallenen Schutzes spottet.
        

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