Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749534
Schmücken. Wir haben bereits oben die gesammte Ornamentik 
als aus dieser doppelten Wurzel  Zweckdienlichkeit und Schmückung 
 entspringend bezeichnet. Hier ist nun die Stelle, darauf hinzu- 
weisen, dass für die Art der Aufeinanderfolge der technischen Kunst- 
forrnen  ihre Entwicklung  nichts bezeichnender ist, als eben 
der Umstand, dass die urälteste dieser Künste, die Textrie es ist, 
welche dem ursprünglichsten Kunstschaften, als welches wir soeben 
die Ausschmückung des menschlichen Leibes in der Gewandung be- 
zeichnet haben, dienen musste. 
Vielleicht wäre es nicht allzuschwcr, einen vollständigen Paralle- 
lismus zwischen der Reihenfolge der technischen Kunstarten und 
einer Reihe, in welcher die menschlichen Bedürfnisse nach ihrer 
TVichtigkeit angeordnet wären, nachzuweisen: diese letztere Reihe, 
angefangen beim künstlichen Leibesschutz, der Gewandung, und von 
da weiter fortgeführt, die Bedürfnisse des Wohnens, Ernährens und 
Genießens in stetig aufsteigender Stufenleiter umfassend gedacht. 
Für unsern Zweck genügt es, diesen Zusammenhang angedeutet 
und den ästhetischen Grundgedanken des Gewandes für das Nach- 
folgende festgestellt zu haben. 
Zwei allgemeine Stilerfordernisse des Gewandes. 
Es wurde als selbstverständlich bisher nicht ausgesprochen, dass 
unter allen technischen Producten, ihrer materiellen Beschaffenheit 
nach, bloß das Textilproduct als Materiale für die Gewandung sich 
eigentlich brauchbar erweist. 
Die natürliche Verwandtschaft dieses Produetes mit der Haut 
lasst uns sozusagen im Schlaf seine Eignung als Hülle erkennen, und 
es wäre deshalb müßig zu fragen, 0b diese Erkenntnis erst an- 
gesichts eines solchen fertigen Produetes sich einstellte, oder aber 
gleichsam vorahnend selbst den Impuls gab zur Erzeugung textiler 
Stoffe überhaupt. 
Wie dem auch sei, von Wichtigkeit ist es, gleich hier festzu- 
stellen, dass trotz allcr, scheinbar ins Unbegrenzte gehenden Ge- 
staltungsfahigkeit textiler Producte als Gewandung, doch die materielle 
Natur und Eigenthümlichlaeit jener die erste einschränkende Bedingung 
der Formgebung ist. Und hiemit ist das eine der beiden Stil- 
erfordernisse auch schon ausgesprochen. Es besagt, dass dem Stoff 
im Gewand nicht zugernuthet werden soll, seine Natur als weiches, 
bieg- und schmiegsames und unter allen Umständen in der freien Be- 
wegung des Faltenwurfs erscheinendes Matcriale zu verleugnen; dass
        

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