Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749525
Effect als auf Stilfeinheiten 
heiten eines bestimmten 
schmqck unzählige Male. 1) 
 worunter nicht just 
Stils zu denken sind  
immer die Fein- 
 gerichtete Ge- 
Die Gewandung. 
Nächst der Natur ist die Noth unsere größte Lehrmeisterin  
auf allen Gebieten, denen der Wissenschaft sowohl, als denen der 
Kunst. Indem sie den menschlichen Egoismus, zunächst als Trieb 
der Selbsterhaltung, dann weiters als Wunsch der Lebensverbcsserung 
unmittelbar Wachruft, veranlasst sie den Menschen zu Leistungen, 
die er, im trägen Genusse eines paradiesischen Daseins lebend, viel- 
leicht, ja gewiss nicht: vollbracht hätte. 
Inzwischen ist unser eigener Leib das erste und allernächst- 
liegende Object unserer Pflege und Aufmerksamkeit, und ihn vor 
den Fährlichkeiten und Schäden der Außenwelt zu schützen, unsere 
allernatürlichste Sorge.  Sei es nun, dass in dieser Beziehung die 
Natur uns bloße Stiefmütter war und (etwa im Vergleiche mit der 
Thierivelt) sich uns gegenüber einer gelinden Vernachlässigung schul- 
dig gemacht hat, oder aber, dass wir, die von der Natur uns ge- 
zogenen Schranlaen willkürlich durchbrechend, höhere Anforderungen 
an unseren Leibesschutz zu stellen genöthigt rvurden: Thatsache ist 
es, dass die menschliche Kunstfertigkeit da. ergänzend eingreifen muss, 
wo die Natur mit nur ungenügenden Mitteln uns zu schützen ver- 
sucht hat. 
Die nackte menschliche Haut reicht eben in den meisten Kli- 
maten nicht hin, das physische Gedeihen des menschlichen Leibes 
dauernd zu sichern,  und das Gewand, dessen nächste und un- 
mittelbarste Motivierung deshalb in dem verstärkten Leibesschutz zu 
suchen ist, muss ergänzend hinzutreten. 
Wie nun aber kein Kunstproduct ganz allein und ausschließlich 
der trockenen Nothdurft entsprossen ist, so auch nicht das mensch- 
liche Gewand. 
Ein zweites ursprüngliches Motiv des menschlichen Productions- 
triebes wirkt deshalb bei der Erzeugung der Gewandung  schon 
in ihren primitivsten Formen  bestimmend mit: die Lust am 
  Das Messgewand des katholischen Priesters  diese Verchristlichung des 
uralten asiatischen Chitons  ist ein Beispiel dieser Art Stilverstoß, und zu be- 
dauern bleibt bloß, dass unseren modernen Kunststickern, welchen in diesem Falle 
in der That völlig unüberwindliche rituale Einschränkungen die Hände binden, nicht 
auch andere Aufträge von gleicher Wichtigkeit häufiger zutheil werden.
        

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