Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748629
allem!  allgemeinen Schlüssels zum Verstandnisse dieser in un- 
serem Gebrauche befindlichen zahlreichen Formen eigentlich ent- 
behren. 
Einen solchen Schlüssel nun dem Gewerbsrnanne in die Hand 
zu geben und es ihm zu ermöglichen, diesen Schlüssel auch selb- 
ständig (und ohne allzuviel historisch-stilistisehe Skrupel) an die 
eigentliche innere Triebfeder des menschlichen Kunstvermögens an- 
zusetzen  nämlich an die durch die Erkenntnis des allgemeinen 
Zusammenhangs aller Kunstschöpfung gelauterte und geleitete naive 
"Gestaltungslust: dies war dabei unsere eigentliche Absicht. 
Sie wirklich zu erreichen und jenen goldenen Mittelweg 
zwischen drückender ästhetischer Bevormundung des Kunsthandwerks 
auf der einen Seite und seiner gänzlichen Vernachlässigung auf der 
andern mit E rfoig betreten zu können, erfordert aber nicht bloß eine 
zielbewusste Führung, sondern auch  und weit mehr noch  Ver- 
trauen und Ausdauer des Geführten. Wir werden in unserem Falle 
diese beiden Voraussetzungen nur da finden, wo naives Kunstempfinden 
noch nicht gänzlich gedeckt wird durch die Kunstanschauung einer 
bestimmten Richtung oder gar der Mode: Im jugendlichen Nachwuchs 
unseres Kunsthandwerks. 
Dieser also bilde hier unsere Hoffnung! 
Und hiemit gelangen wir dazu, dieses Buch in seiner Eigen- 
schaft als Lehrbehelf ins Auge zu fassen, sowie uns überhaupt die 
Frage vorzulegen, worin denn die Schwierigkeit bestehen mag, einen 
Gegenstand wie- die kunstgewerbliche Formenlehre in dem ihr von 
uns verliehenen Umfange in der Schule zu tradieren? Nun, diese 
Schwierigkeit besteht darin, allgemeine kunstwissenschaftliche Grund- 
sätze auf analytischem Wege zu erläutern,  und zwar nothwendig 
analytisch, wie aus der oben erläuterten Natur des Stoffes hervorgeht! 
Aber wir wollen und dürfen uns gegenüber dieser Schwierigkeit 
mit folgendem trösten: 
Wenn es möglich ist,  und es ist möglich!  die strengen 
und ernsten Wissenschaften, voran die Mathematik und Physik, sodann 
der Reihe nach die übrigen WVissenschaften analytisch zu lehren, 
weshalb sollte gerade ein Gegenstand wie die kunstgewerbliche 
Formenlehre einer gleichen streng-logischen Behandlung in der Schule 
sich unzugänglich erweisen? Lüge solches an dem Gegenstande  
Nein, denn dieser ist nicht schwieriger als die genannten Facher und 
dazu noch in vielfacher Hinsicht anregender; also etwa am. Lehrer? 
Gewiss nicht, denn unsere künstlerischen Kräfte stehen den wissen-
        

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