Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Liebhaberkünste
Person:
Meyer, Franz Sales
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-768438
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-772580
die Verzierung als äufserliches, getrenntes Beiwerk, das die Form 
eines Rahmens oder einer freien Endigung annimmt. In der 
zweiten Weise werden hauptsächlich die Anfangsbuchstaben oder 
Initialen verziert (vergl. die Tafeln); dieses Prinzip hat dem 
ersten gegenüber manches voraus. Werden Farben und Metalle 
zur Ausstattung verwendet, so läfst sich unter anderm der eigent- 
liche Schriftzug von der Ornamentik klar und einfach auseinander- 
halten. Die hauptsächlich aus den Klöstern hervorgegangenen 
Bücherverzierungen des Mittelalters sind eine herrliche Fundgrube 
in dieser Beziehung. Gold, Blau und Rot sind die meistver- 
wendeten Tinkturen, wobei der Körper des Initials meist in 
poliertem Gold gehalten ist, während die zierenden Schnörkel 
und Ranken in Farbe zugefügt werden. Aber auch köstliche 
und mit Liebe gemalte Miniaturen figürlicher Art treten hinzu 
und illustrieren gewissermaßen den Inhalt der Schriften. Die 
Renaissance hat nach Erfindung __der Buchdruckerkunst die Sache 
im Prinzip beibehalten mit den Anderungen, die durch den Druck 
notwendig bedingt waren. Die Ranken und Schnörkel mufsten 
räumlich beschränkt werden; da sie das Papier oder Pergament 
nicht mehr beliebig überziehen konnten, wurden sie auf bestimmte, 
meist rechteckige oder quadratische Plätze zusammengefafst. An- 
Stelle der farbigen Darstellung trat der schwarze nach Art der 
Federzeichnung gestaltete Druck verzierter Initialen, Vignetten, 
Kopfleisten und Schlufsstücke. 
Es waren nicht selten Künstler ersten Ranges, welche die 
Entwürfe der Typen und Zierstücke besorgten. Einem mehr- 
farbigen Druck boten sich begreiflicherweise Schwierigkeiten, 
doch sind zweifarbige Drucke in Rot und Schwarz nicht selten, 
wobei das Rot den hervorzuhebenden Teilen gewidmet wurde, 
wie das ja ähnlich heute noch gemacht wird. Der Schriftver- 
zierung wurde vielfach so viel Platz eingeräumt, dafs der Text 
die Nebensache wurde. Beispielsweise sei an die Randver- 
zierungen Albrecht Dürers zum Gebetbuch des Kaisers 
Maximilian erinnert. 
Die Verfallstile der Renaissance brachten auch dieser Schrift,- 
verzierung den Verfall, so dafs schliefslich eine grofse Nüchtern- 
heit. an deren Stelle trat, aus der sich erst die allerneueste Zeit 
wieder herauszuretten sucht. Es gehört nicht hieher, zu unter- 
suchen, 0b all die eingeschlagenen Wege zur Besserung gerade 
die richtigen sind. Die modernen Erfindungen und Hilfsmittel 
erleichtern die Schriftverzierung wesentlich; sie haben aber 
mancherlei Bedenkliches gebracht. Dazu gehört unter Anderm 
das Zusammensetzen von Zierleisten und Umrahmungen aus 
fabrikmäfsig hergestellten Einzelteilen, wie wir es alle Tage 
sehen können. Es ist ja offenbar bequem und billig, die Schrift- 
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