Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Liebhaberkünste
Person:
Meyer, Franz Sales
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-768438
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-772575
386 
Abschnitt. 
Vierter 
Die abendländische Schrift des letzten Jahrtausends ist her- 
vorgegangen aus der Schrift der Antike, sagen wir der römischen. 
Wo das Christentum hinkam, kam auch die lateinische Schrift 
hin. Das frühe Mittelalter hat seine liebe Not mit dem Zurecht- 
kommen. Neben der aus lauter grofsen Buchstaben bestehenden 
Majuskelschrift entstehen nach und nach die Minuskeln, 
die kleinen Buchstaben. Neben der eckigen Kapitalschrift 
entsteht die Uncialschrift mit runden und selbständigem Formen. 
Die gotische Zeit fügt dieser die gebrocheneTextur- oder Frak- 
turschrift zur Seite. Der Zusammenhang, der Übergang ist immer 
vorhanden, wenn er für das ungeübte Auge oft auch nicht mehr 
ersichtlich ist, weil zum Vergleich die Zwischenformen fehlen. Da 
die gebrochene Schrift naturgemäfs weniger leicht lesbar war als 
die ursprünglichen einfachen Züge, so hat die Renaissance diegotische 
Schrift zunächst wieder vereinfacht und aufserdem zurückgegriffen 
auf die römische Schrift. Ein hauptsächliches Entwickelungs- 
moment für die Schrift fällt mit der Einführung des Buchdrucks 
zusammen. Aber auch von diesem Zeitpunkt ab hat sich die 
Schrift im Laufe der Jahrhunderte noch vielfach geändert und 
nicht immer zu ihrem Vorteil, sodafs erst die allerneueste Zeit 
erfreuliche Fortschritte zum Bessern zeigt. Heute gehen bei uns 
die lateinische Schrift, im allgemeinen als Antiqua bezeichnet, 
und die deutsche Druckschrift, aus der Fraktur hervorgegangen, 
nebeneinander her. Beide Formen sind in zahllosen Abarten in 
Anwendung. In Bezug auf ihre Bezeichnung herrscht vielfach 
Willkür und Systemlosigkeit, so dal's von einer Namhaftmachung 
im einzelnen am besten abgesehen wird. Wer sich eingehender 
mit der Sache befassen will, verschaffe sich das Musterbuch einer 
gröfsern Schriftgiefserei, wobei dann die gedruckten Typen viel- 
fach als Muster der zu schreibenden oder malenden Schriften 
dienen können. 
Neuerdings als Zierschrift vielfach benützt sind das sog. 
Gutenberg-Gotisch (Fig. 238,2) und die Schwabacher 
Schrift, eine einfache Fraktur mit rundlichen Formen.(Fig. 238, I.) 
Die Bezeichnung der Zahlen durch Ziffern stammt aus dem Ende 
des Mittelalters, die Grundtypen sind arabisch. Die ältern Formen 
weichen nicht wesentlich von den heute üblichen ab (vergl. 
Fig. 244). Wo Ziffern in der Schrift mit verwendet werden, 
sollen sie mit dieser ebenfalls im Einklang stehen. 
Die Verzierung der Schrift, die Ornamentation derselben 
schlägt zwei Wege ein. Entweder wird der Körper der Schrift, 
der eigentliche Schriftzug, geometrisch umgestaltet, zerlegt, orna- 
mental ausgeschmückt, durch pflanzliche, tierische und mensch- 
liche Gestaltungen ersetzt (Blumenschriften, Vogelschriften etc. 
oder aber der Schriftzug bleibt verhältnismäßig einfach und erhält
        

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