Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Liebhaberkünste
Person:
Meyer, Franz Sales
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-768438
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-771876
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Dritter Abschnitt. 
Sprüche. 
Nicht weniger recht hat Bodenstedt, wenn er sagt: 
Gute Witze wollen erdacht sein, 
Gute Verse wollen gemacht sein. 
Nicht alle können es; es ist aber auch nicht nötig. So- 
wenig jemand verlangt, dafs die ornamentale Verzierung stets 
ein eigener Entwurf sei, ebensowenig ist dies der Fall in Bezug 
auf Form und Inhalt der Sprüche. Nach Hiddigeigei ginge die 
Kunst wohl zu sehr in die Breite, wenn jeder seinen Hausbedarf 
sich selber schaffen wollte und gerade das Indiebreitegehen ist 
es, was die Sprüche am wenigsten vertragen. Knapp, kurz und 
treffend sollen sie vor allem sein, gewissermafsen ein auf den 
kleinsten Raum gebrachter Auszug breiter und eingehender Weis- 
heit. Sind sie dabei zugleich formschön und eigenartig, desto 
besser, dann haben sie sicher etwas Packendes. 
Wir haben Citate und geflügelte Worte; ein Geist von 
Gottes Gnaden, den wir kennen, hat das richtige Wort gefunden 
für das, was viele fühlten und dachten, ohne es so schön und 
treffend sagen zu können. Wir haben Sprichwörter; sie hat 
auch irgend einer zuerst geboren, den wir nicht mehr kennen; 
sie haben sich durch Jahrhunderte gewälzt und sind dabei mund- 
gerecht geworden, glatt und abgeschliffen wie die Kieselsteine, 
die der Strom fortrollt; sie entstehen, wie das Volkslied ent- 
steht. In der Mitte zwischen den Citaten und den Sprichwörtern 
stehen die Sprüche im Sinne der engern Bezeichnung. Im weiten 
Sinne umfassen sie auch manches aus den beiden erstgenannten 
Gebieten. 
Die diesen Zeilen folgende Sammlung hat nach diesen drei 
Richtungen gesucht und gefunden. Der Verfasser hat sich be- 
müht, den Zweck im Auge zu behalten, der sich im Zusammen- 
hang mit dem übrigen Inhalt des Handbuches ergibt. Er hat, 
um die Benützung zu erleichtern, einige Abteilungen gebildet. 
Vorherrschend ist die allgemeine Lebensweisheit und das, 
was der eine dem andern oder jeder sich selber wünscht. 
Gott, das Schicksal, das Glück, Kampf und Friede, Freud' und 
Leid sind die naturgemäfsen Grundtöne. Wo berühmte und un- 
berühmte Leute, Stände und Körperschaften sich ein kurzes Wort 
geschaffen haben zur Richtschnur im Leben und Wirken, da sind 
die Wahlsprüche entstanden, von denen auch die übrige 
Menschheit unter Umständen ihren Vorteil haben kann. Liebe, 
Wein, Wei_b und Gesang sind der rote Faden, der sich 
durch das Ewig-Menschliche zieht, seit die Welt steht, bis sie 
in Trümmer geht. Essen und Trinken sind prosaische Dinge, 
alltäglich, aber nicht zu umgehen, weil sie Seele und Leib zu- 
sammenhalten müssen. Mit dem richtigen Humor betrieben, 
können sie auch eine poetische Seite zeigen und der sprichwört-
        

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