Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Liebhaberkünste
Person:
Meyer, Franz Sales
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-768438
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-771861
2  äßs d  
 
Fig- 
229- 
des 
Teil 
Loreto  
Centenaxiumbandes von 
DRITTER 
ABSCHNITT. 
Sprüche 
von Bekannten 
gelegentlich 
und Unbekannten aus alter und neuer Zeit, 
da. anzubringen, wohin sie sich schicken. 
Motto: "Mehr als ein dickleibig Buch 
Sagt oft ein kernhafter Spruch. 
Die Sitte, Haus und Gerät mit Inschriften und Sinnsprüchen 
zu zieren, ist alt und gut. Sie war wie manches Schöne fast 
aus der Mode gekommen und erst die neueste Zeit hat ihr mit 
Recht wieder zu Recht verholfen. Warum sollte auch ein guter 
Gedanke in schöner Form nicht ebensowohl ein Schmuck sein 
können als ein wohlgelungenes Ornament? Er hat ja den Vorteil, 
allgemeiner verständlich zu sein als dieses. Und wenn das Wort 
sich überdies in das Gewand einer schön dargestellten Schrift 
kleidet, so hat nicht nur das Herz, sondern auch das Auge sein 
Wohlgefallen. Aber wie das Wasser es allein nicht thut, so 
ist nicht damit geholfen, an beliebigem Ort einen beliebigen 
Spruch anzubringen. Er mufs am rechten Ort sein, er mufs recht 
sein und es mufs eine geistige Brücke vorhanden sein, die ihn 
und den Gegenstand und den Leser in Zusammenhang bringt. 
Auch hier darf das Gesetz der Stileinheit nicht umgangen werden. 
Wo die Form für das Auge ein altertümliches Gepräge aufweist, 
da wird auch die Form des Gedankens, des Wortes auf ausge- 
tretenen Pfaden sich einstellen müssen und wo jene den modernen 
Frack anzieht, da wird auch die letztere salonfähig bleiben sollen. 
Ein LandSkneChfSÜUCh pafSt nicht auf die Puderbüchse, sowenig wie 
ein pietistisch-frommer Spruch auf ein Römerglas. "Alles ist 
gut, wenn es an seiner Stelle ist", behauptet Lessing und er wird 
wohl recht haben.
        

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