Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Liebhaberkünste
Person:
Meyer, Franz Sales
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-768438
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-771734
Die 
orientalische 
Malerei. 
Die unter diesem Namen bekannte Schablonierarbeit war 
eine Zeit lang lebhaft im Schwung, weshalb derselben in Kürze 
gedacht sein mag. Heute ist sie fast gänzlich aufser Mode ge- 
kommen, ohne dafs die Welt dadurch etwas Wesentliches ver- 
loren hätte. 
Das Prinzip ist folgendes: Die darzustellenden Dinge werden 
im ganzen oder in ihren Einzelheiten aus dünnem, aber starkem 
und steifem Papier sauber ausgeschnitten. Diese Schablonen 
werden auf die zu verzierende Unterlage aufgebracht und die 
Farbe wird vermittelst kurzhaariger Schablonierpinsel nahezu 
trocken aufgerieben. Die feuchte Farbe wird zu diesem Zwecke 
auf einem weichen Leder oder einem ähnlichen Stoffe ausgebreitet 
und mit dem Pinsel verrieben, bis der richtige Grad der Auftrag- 
barkeit erzielt ist. Welche Art von Farben hiebei benützt ist, ist 
ziemlich einerlei. Der Vorteil der ganzen Sache beruht darauf, 
dafs sich auf einem Papier von richtigem Korn oder auf andern 
Stoffen von entsprechender Oberfläche sehr zarte und gleichmäfsig 
verteilte oder abgetonte Farbtöne erzielen lassen. So lassen sich 
z. B. Früchte, wie Pfirsiche u. Ähnl. allerliebst wiedergeben. 
Der erhebliche Nachteil des Verfahrens liegt aber in der 
Unbeholfenheit und Ungenauigkeit, die aller Schablonierarbeit 
eigen ist. Hände, die geschickt genug sind, diese Nachteile zu 
vermeiden, die" sind auch geschickt genug zur wirklichen Malerei 
und diese ist denn doch etwas anderes und Besseres. Man kann 
ja allerdings und mufs sogar, wenn etwas Brauchbares entstehen 
soll, das Schablonieren und eigentliche Malen mit einander ver- 
binden. Das Schablonieren dient gewissermafsen als Vorarbeit, 
zur Herstellung der zarten und glatten Gründe; die Einzelheiten 
und kleinen Zuthaten werden aus freier Hand nachgemalt, etwaige 
Fehler und Ungenauigkeiten der Vorarbeit nachgebessert.
        

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