Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Liebhaberkünste
Person:
Meyer, Franz Sales
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-768438
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-771521
lichkeit zur Folge hat und weil ihre Kelche und Fruchtansätze 
öfters zu dick auftragen oder gar nicht geprefst werden können. 
Immerhin aber findet sich auch in dieser Richtung Geeignetes; 
so geben z. B. Viola tricolor (Stiefmütterchen, Pensee), die 
Crocusblüten, die Blüten des Hornkrauts, verschiedener wilder 
Nelken, der Glockenblumen ganz brauchbare Wirkungen. Der 
Unsitte, aus einzelnen Blumenteilen Blumenrosetten zusammen- 
zustellen, wie sie in der Natur nicht existieren, möchte ich das 
Wort nicht reden, obgleich damit die genannten Mifsstände zu 
beseitigen sind. 
Auch ohne eine umfangreiche Beiziehung der Blumen läfst 
sich die Einförmigkeit des Grünen dadurch umgehen, dafs man 
herbstlich gefärbte Pflanzen benützt, die die Natur ja in vielen 
Farbentönen vom lichtesten Gelb durch Rot und Braun bis zum 
Violett in allen möglichen Abstufungen bietet. 
Auch lassen sich Farben, welche die Pflanzen, wenigstens 
in ihren Blättern, nicht aufweisen, dadurch in die Zusammen- 
stellungen einführen, dafs man denselben seidene Bandschleifen 
zufügt oder an passender Stelle Schmetterlinge einlegt. Da die 
letztem jedoch vielfach nicht durchscheinend sind und wohl auch 
zu dicke Leiber haben, so ist deren Verwendung ebenfalls eine 
beschränkte. Unter allen Umständen aber müssen derartige Dinge 
mit Mafshaltung angebracht werden. 
Da die Zusammenstellung des Ganzen Sache des Geschmacks 
ist und eine geschickte Hand und künstlerisches Gefühl voraus- 
setzt, wenn das Ergebnis befriedigend sein soll, diese Erfordernisse 
aber mit Worten hier nicht abzumachen sind, so mag der Rest 
dieser Auseinandersetzung sich darauf beschränken, die praktischen 
Winke für die Durchführung zu geben. Nur das eine sei zu 
diesem Punkte erwähnt, dafs Dilettanten zumeist in den Fehler 
verfallen, zu viel und zu vielerlei aneinander zu häufen, dabei 
leicht ins Kleinliche geraten und den einfachen, grofsen deko- 
rativen Stil verfehlen. Wer einen deutschen Straufs hübsch 
binden kann, wird sich auch auf diesem Gebiete zurechtfinden. 
Beim Einsammeln der Pflanzen wähle man nur das, was 
voraussichtlich auch zu brauchen ist, und bringe leicht welkende 
Dinge in der Botanisierbüchse nach Hause. 
Man prefst die Pflanzen, die nicht welk, aber auch nicht 
nafs sein dürfen, am besten zwischen zwei genügend starken, 
glatten Brettchen in der Buchbinder- oder in der Kopierpresse. 
Man legt die Pflanzen zwischen Filtrierpapier, Löschpapier oder 
graues Herbariumpapier, am besten in einmal gebrochene Bogen 
hinein, was für die spätere Handhabung von Vorteil ist. Weifses 
Löschpapier hat vor dem grauen den Vorzug, dafs man die Bogen 
bei der Durchsicht nicht zu öffnen braucht, weil sie, geschlossen
        

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