Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Liebhaberkünste
Person:
Meyer, Franz Sales
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-768438
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-771513
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Zweiter Abschnitt. 
Die verschiedenen Liebhaberkünste. 
letztern Fall oder in den beiden letzten Fällen Papier oder 
Leinwand, Tafelgelatine, Glimmer etc. 
Die Wirkung im auffallenden, also nicht durchfallenden 
Licht ist wesentlich geringer und im allgemeinen ohne Bedeu- 
tung, so dafs auf diese Art nur kleine, zierliche Pflanzen auf 
schwarzem Karton eine ordentliche Wirkung erzielen, wofür die 
bekannten, mit Alpenkräutern geschmückten Grüfse aus der 
Schweiz und aus Tirol ein Beleg sind. Demnach wird sich die 
praktische Anwendung hauptsächlich auf die oben erwähnten Fälle 
beschränken. 
Zum Pressen eignen sich naturgemiifs nur bestimmte Arten 
von Pflanzen. Nicht geeignet sind diejenigen, welche zu hart 
und holzig sind oder filzige und lederartige Blätter haben, wie 
der gewöhnliche Epheu, weil sie eben zu wenig durchscheinend 
sind; ferner die Pflanzen mit fleischigen und vollsaftigen Stielen 
und Blättern, wie die Succulenten, Tradescantien, Blattbegonien 
u. a., weil beim Pressen der Saft sich ausquetscht und Form und 
Farbe zu verderben pflegt. Pflanzen, Welche sehr elastische Teile 
aufweisen, haben das Mifsliche, dal's sie, wenn sie beim Aufkleben 
nafs werden, in die natürliche Form zurückkehren, aus der Ebene 
heraustreten oder "aufstehen" (Froschlöffel etc.). Andere wieder 
haben die Eigenschaft, dafs sie nach dem Trocknen zu leicht zer- 
brechen, wie z. B. die Spargelblätter, die sonst Wohl zu ver- 
wenden wären. 
Aus den verbleibenden Arten, die sich zum Pressen eignen, 
haben für den in Frage kommenden Zweck aber nur diejenigen 
eine Bedeutung, welche in ihrem Aufbau, in ihren Umrissen 
ornamental veranlagt sind und die nötige Eleganz und Zierlich- 
keit der Erscheinung besitzen. 
Hieher zu zählen sind in erster Linie die Gräser, die 
Farne, einzelne Moose, die Fingerkräuter, die sternblättrigen 
Pflanzen, die Ranunculaceen oder Hahnenfufsarten, die wild- 
wachsenden Geranien, die Glockenblumen, die Doldenblütler, die 
Zweige und Blätter der Sträucher und Bäume und vor allem die 
verschiedenen Schlinggewächse und Kletterpflanzen. Sehr 
dekorativ aus der Zahl der letztern sind die Rebe und der wilde 
Wein, die Zaunrübe, der Hopfen, die Himbeer- und Brombeer- 
staude, die Winden, die Wicken, die Gundelrebe, die Waldrebe 
(Clematis), Glycine, Cobaea, Micania scandens (sog. Zimmer- 
epheu), die Passionsblumen u. s. w. Auch die Blätter von Bam- 
busa (Bambus), Caryota urens, Acacia etc. geben gute Effekte. 
Die Blumen der Pflanzen, die ihrer Farbe wegen gerade in 
hervorragender Weise auszunützen wären, können vielfach leider 
deshalb nicht in Betracht kommen, weil ihre zentrale Anlage 
beim Pressen eine unschöne Formveränderung bis zur Unkennt-
        

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