Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Liebhaberkünste
Person:
Meyer, Franz Sales
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-768438
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-771280
Das Ätzen 
der Metalle. 
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bringt und von Zeit zu Zeit nachsieht, wie weit der Prozefs ge- 
diehen ist. Um ungefähr einen Anhalt zu geben, sei bemerkt, 
dal's bei Anwendung einer 4oofoigen Eisenchloridlösung je nach 
der gewünschten Tiefe 2 bis 6 Stunden zu ätzen ist. Salpeter- 
säure ätzt schneller, unverdünnt in wenigen Minuten. Langsame 
Ätzung gibt durchschnittlich die bessern Resultate. 
Wenn die Ätzung tief genug erscheint, wird der Gegenstand 
aus dem Bade genommen, beziehungsweise das aufgebrachte Ätz-- 
mittel aus dem Wachsrand abgegossen, worauf ein gründliches 
Abspülen mit Wasser zu erfolgen hat. Nach dem Trocknen, das 
durch Anblasen oder Anfächeln beschleunigt wird, entfernt man 
den Decklack durch Terpentinöl, die etwaige Schellacklösung 
durch Spiritus, wobei eine gelinde Erwärmung zeitabkürzend mit- 
hilft. Die Atzflüssigkeit kann wiederholt benützt werden, mufs 
aber schliefslich einen Zusatz von Salpetersäure und etwas Salz- 
säure erhalten, um ätzfähig zu bleiben. 
Die 
Tiefätzung. 
Bei der Tiefätzung bleibt der Hintergrund der Zeichnung 
hoch stehen in der ursprünglichen Fläche des Metalles, während 
die Zeichnung selbst durch Ätzung tief gelegt wird. Dieses Ver- 
fahren eignet sich besonders für Strichmanier, womit jedoch nicht 
ausgeschlossen ist, dafs auch einzelne Flächenkomplexe ausradiert 
werden können. Feine Linienornamente, Federzeichnungen, derbe 
Holzschnitte und Kupferstiche können als Vorbilder dienen. - 
Während beim Hochätzverfahren nur einzelne Stellen der 
Metalloberfläche mit Decklack zugemalt werden, wird hier die 
ganze Oberfläche gleichmäfsig gedeckt und die Linien durch die 
Deckung hindurch in das Metall einradiert. Eigentlich braucht 
das Metall hiebei nicht geritzt zu werden, da es genügt, wenn 
der Decklack vollständig durch den Stichel abgehoben wird. 
Die zu benützende Platte (runde Gegenstände kommen bei 
der Tiefatzung kaum in Betracht) mufs vollständig eben und glatt 
sein, was durch Schleifen und Polieren erreicht wird, wenn die 
Platte nicht schon die genannten Eigenschaften hat. Das Reinigen 
von etwaigem Fett und Oxyd geschieht, wie oben angegeben. 
Die gereinigte und getrocknete Platte wird gleichmäßig er- 
wärmt, worauf man flüssigen Decklack mit einem flachen Pinsel 
möglichst gleichmäfsig aufstreicht. Ein anderes Verfahren ist fol- 
gendes: Man hüllt den festen Decklack (Ätzgrund in Kugelform) 
in ein Läppchen aus Taft, was dann aussieht wie ein grofser 
Kinderschnuller, und reibt auf der warmen Platte in parallelen 
Streifen hin und her. Ist die Platte genügend warm, so tritt der 
Decklack durch die Stoifhülle hindurch und überträgt sich auf 
Meyer, Liebhaberkiinste. I7
        

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