Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Liebhaberkünste
Person:
Meyer, Franz Sales
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-768438
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-771260
Ätzen 
Das 
der 
Metalle, 
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Metall durch weiteres Einwalzen mit Steindruckfarbe zu verstärken 
und widerstandsfähiger gegen das fÄtzmittel zu machen. Der 
Lithograph ist ferner in der Lage, nach der einmal auf Papier 
ausgeführten Zeichnung beliebig viele Abzüge auf Metall herzu- 
stellen. Das Gesagte bezieht sich jedoch begreiflicherweise 
nur auf ebene Platten und nicht auf runde Gegenstände. Die 
letztern sind nach dem erst angegebenen Verfahren zu behandeln. 
Für alle Anfangsversuche empfehlen sich überhaupt die Bleche 
und Platten, da das gesamte Verfahren hiebei am einfachsten ist. 
Bevor nun zum eigentlichen Ätzprozefs geschritten wird, 
wird der Gegenstand schwach angewärmt, wobei der Ätzgrund 
jedoch nicht schmelzen und verlaufen darf. Das Anwärmen hat 
den Zweck, diejenigen Stellen wieder in Ordnung zu bringen, 
an denen die Farbe sich vielleicht etwas vom Metall losgelöst 
haben sollte; es kann unter Umständen auch unterbleiben. 
Platten und Bleche bringt man in horizontale Lage und versieht 
dieselben dem Rand entlang mit einem aufrecht stehenden Rand 
aus Modellierwachs, Wachs oder Pech, das man vermittelst 
Terpentinzusatz knetbarer machen kann. Dieser Rand mufs fest 
anschliefsen, da er die Mulde für das aufzugiefsende Ätzmittel 
bildet. Hat man das letztere in genügender Menge zur Hand, 
so kann man die Platten auch ohne Rand in muldenförmige 
Wannen aus Glas oder Steingut (sog. Planschalen oder Küwetten, 
vergl. Abschnitt I) legen und hernach das Ätzmittel aufgiefsen. 
Bewegt man während des Ätzens diese Wannen hin und her, so 
findet eine gleichmäßigere Atzung statt. Runde Gegenstände 
kommen in entsprechende Gefäfse. 
Als Ätzmittel, als Ätzflüssigkeit können verschiedene 
Säuren und chemische Zusammensetzungen dienen. Das meist 
angewandte Mittel ist die verdünnte Salpetersäure. Sie beizt 
jedoch die Finger, die mit ihr in Berührung kommen, braun, ent- 
wickelt ferner beim Ätzprozefs Gase von üblem Geruch und zum 
Teil auch gesundheitsschädliche Dämpfe. Gegen ersteres schützen 
nun schliefslich Handschuhe oder Gummifingerhüte, gegen das 
Einatmen der Dämpfe kann man sich mit einiger Vorsicht auch 
schützen; immerhin aber dürfte sich dem Dilettanten als durch- 
schnittliches Ätzmittel das Eisenchlorid empfehlen. Dasselbe 
ist als trockenes, gelbes Salz in den Droguerien billig zu haben 
und löst sich leicht in Wasser. Man nimmt 1 Teil. Eisenchlorid 
auf 1 bis 2 Teile Wasser. (Vergl. die betr. Rezepte Abschn. V.) 
Die Dauer des Ätzprozesses hängt von der Art des gewählten 
Metalles, der Stärke der Lösung und der beabsichtigten Tiefe der 
Ätzung ab. Man probiert auch hier am besten, indem man kleine 
Blechstreifen des benutzten Metalles teilweise mit Decklack be- 
streicht, mit dem zu ätzenden Gegenstand in die Atzflüssigkeit
        

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