Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Liebhaberkünste
Person:
Meyer, Franz Sales
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-768438
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-771235
252 
Abschnitt. 
Zweiter 
verschiedenen 
Die 
Liebhaberkünste. 
warmer Sodalösung genügen. Die gereinigten Gegenstände 
wickelt man bis zurn Gebrauche in Seidenpapier und hütet sie 
vor nochmaliger Berührung an den zu ätzenden Stellen. 
Die 
Hochätzung. 
Auf Bleche und ebene Platten, überhaupt auf alle abwickel- 
baren Flächen kann man die Zeichnung oder das Muster aufpausen. 
Man reibt die Rückseite der Zeichnung mit pulverisiertem Rötel 
ein oder legt ein mit Rötel angeriebenes Seidenpapier zwischen 
Zeichnung und Metallfläche und fährt die Umrisse mit einem 
harten, spitzen Bleistift oder einem ähnlichen Instrument kräftig 
nach. Hat man es mit Kupfer zu thun, so benützt man statt 
des Rötels den Graphit, resp. das Graphitpapier, die überhaupt 
bei hellfarbigen Metallen den Rötel ersetzen können. Damit 
Rötel oder Graphit auf der Metalltläche besser haften, wischt 
man dieselbe mit wenig Dicköl und einem Läppchen oder Hirsch- 
leder ab. Wenn man das nämliche Muster öfters benützen will, 
kann man den Umrifs auch mit der Punktiernadel sauber durch- 
stechen und die Zeichnung mit geschlemmter Kreide oder 
pulverisiertem Rötel oder Graphit (ije nach der Farbe des Me- 
talles) durchbeuteln, was übrigens nie so exakt auszufallen pflegt 
als das Aufbringen der Zeichnung nach der erst angegebenen 
Weise. Bei Blechen und Platten kann man das Papier, voraus- 
gesetzt, dafs es grofs genug ist, am Rande mit Heftnägeln fest- 
stecken. Andernfalls befestigt man daselbe mit einigen Stückchen 
Klebwachs oder man erhält es in seiner Lage durch Auflegen 
von eisernen Linealen etc. Nunmehr wird die Zeichnung, die 
nach der Atzung hoch stehen soll, mit Decklack und Pinsel 
aufgemalt. 
Als Decklack dient eine Lösung von syrischem Asphalt, 
dem sog. Judenpech, in "ferpeninöl (als Asphaltlack im Handel). 
Je mehr Terpentinöl, desto dünnflüssiger der Lack. Zu dünn 
läuft er zu leicht aus und bietet dem Atzmittel zu wenig Wider- 
stand; zu dick erschwert er das Aufmalen unnötigerweise. 
Probieren geht auch hier über Studieren. 
Ein zweckmäfsiger Decklack wird auch erhalten durch Auf- 
lösung des sog. Ätzgrundes in Terpentinöl. Der Atzgrund 
ist in der Form fester Kugeln im Handel und wird beispiels- 
weise geliefert von Andreas Sedlmayr in München (Unter- 
Anger N0. 20), von Ebenböcks Wachshandlung, München, 
Sendlingerstrafse. 
Wer sich den Ätzgrund selbst bereiten will, findet unter den 
Rezepten des Abschnittes V verschiedene Zusammensetzungen 
vermerkt. Die Hauptrolle spielen Wachs, Asphalt und Mastix.
        

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