Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Liebhaberkünste
Person:
Meyer, Franz Sales
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-768438
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-771128
Die Formerei. 
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mufs, damit er nicht zerbricht. Man entfernt zunächst den Wachs- 
oder Thonrand und hilft nötigenfalls durch Aufklopfen mit einem 
stumpfen Instrument bei der Loslösung nach. Die so erhaltene 
Form läfst man nun völlig trocknen, was je nach der Gröfse ein 
oder mehrere Tage Zeit in Anspruch nimmt, wenn man nicht 
durch künstliche Wärme nachhilft. 
Um aus der getrockneten Form einen Abgufs herzustellen, 
mufs die Oberfläche so behandelt werden, dafs Form und Abgufs 
sich wieder leicht von einander lösen. Dazu dienen Verschiedene 
Mittel. Gründliche Verfahren sind das Einlassen in Stearin oder 
Leinöl, was geschieht, indem man die Form in die warm ge- 
machten genannten Stoffe einlegt und damit tränkt. Ein anderes 
Mittel ist das Überstreichen mit Schellackfirnis und das einfachste 
ist das Anpinseln oder Einreiben mit zartem Schweinefett oder 
mit Olivenöl. Auch ein Bestreichen mit Seifenwasser (venetia- 
nische Seife) thut ähnliche Dienste. Schliefslich genügt es auch, 
die Form gründlich nafs zu machen, indem man sie in Wasser 
legt, bis sie sich vollständig vollgesaugt hat. Nun erhält die 
fertige Form wieder ihren Rand und der eigentliche Ausgufs wird 
hergestellt wie oben angegeben. Will man mehrere Abgüsse 
machen, so ist die Form jeweils wieder einzureiben oder zu 
überpinseln. Alle diese Aufträge dürfen aber nicht so dick ge- 
macht werden, dal's die Schärfe der Form oder der Abgüsse leidet. 
Das gibt die Übung. 
Sollen die Ausgüsse Henkel zum Aufhängen erhalten, so legt 
man an der richtigen Stelle in den aufgetragenen 
Gips, so lange er noch weich ist, gebogene 
Drähte von der Form nach Fig. 184. Eisendraht 
erzeugt im Gips Rostflecken; man nehme deshalb 
ausgeglühten Messingdraht oder verzinkten Draht. Fi m4 
Für kleine Abgüsse genügen auch eingelegte Drahäenkeffür 
Schnüre- kleine Gipsabgüsse. 
Am fertigen Abgufs (nafs oder trocken) schnei- 
det man mit scharfem Messer überflüssige Kanten und Bärte und 
andere Ungehörigkeiten sauber weg. Will man sich zum Schneiden 
des Gipses ein eigenes Messer beschaffen, so hat es am besten 
eine seitlich gebogene Spitze nach Fig. 185. Auch Stücke von 
Fischhaut oder von Glaspapier lassen sich mit Vorteil zum Nach- 
bessern in Anwendung bringen, ebenso Reparier- und Schabeisen 
mit feingekerbten und gezackten Schneiden. Feilen sind ungeeignet, 
da die Feilenhiebe sich alsbald mit Gips füllen, Woiiauf die Feile 
nicht mehr angreift. (Fig. 186.) 
Will man statt einer Medaille einen Gipsabgufs abformen, so 
ist er zunächst zu reinigen und dann einzureiben, zu bestreichen 
oder zu überpinseln, wie angegeben. Da saubere Originale hiebei 
Meyer, Liebhaberkiinste. I6
        

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