Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Liebhaberkünste
Person:
Meyer, Franz Sales
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-768438
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-771100
Weniger einfach ist das Verfahren, wenn nicht nur ein Ab- 
gufs, sondern viele Abgüsse aus ein und derselben Form gemacht 
werden sollen. Die Form mufs in diesem Fall aus einzelnen 
keilförmigen Stücken bestehen (Stückform). Diese Keile müssen 
für gewöhnlich nochmals mit einer einfachern Schale umgeben 
werden, so dafs die Form einer Büste oder Figur aus bis zu roo 
und mehr Einzelstücken bestehen kann. Es liegt nicht im Rahmen 
dieses Buches, näher auf die Stückformerei einzugehen. Wer 
sich dafür, sowie für die Formerei in ihrem ganzen Umfange 
interessiert, dem sei die Beschaffung folgenden Werkes empfohlen: 
C. von Stegmann, Handbuch der Bildnerkunst in ihrem 
ganzen Umfange. 332 Seiten Text mit Atlas. Weimar, 
Voigt. 9 M. 
Die Stückform ist jedoch nur der eine Weg. Ein anderes 
Mittel zum nämlichen Ziele ist die Leimform, erstellt durch 
Aufgiefsen flüssigen und nachher bis zu einem gewissen Grade 
erstarrenden Leims. Da die Leimform elastisch ist, so kann sie 
gewisse Dehnungen vertragen, so dafs die Form über unter- 
schnittene Vorsprünge des Originals abgehoben werden kann und 
gerade so auch über die Erhabenheiten des Ausgusses.  
Wo überhaupt keine Unterschneidungen des Originals in Be- 
tracht kommen, wie beispielsweise bei einer geprägten Medaille, 
da sind auch weder Stückform noch Leimform nötig, da die Form 
aus Gips sich abheben und stets wieder ausgiefsen läfst, ohne dal's 
sie dabei zerstört würde. 
Es kann nun unmöglich die Gesamtformerei in das Gebiet 
der Dilettantenkünste hereingezogen werden; das verbietet sich 
aus verschiedenen Gründen. Dagegen kann die Formerei im 
zuletzt berührten Sinne ganz wohl als Liebhaberbeschäftigung auf- 
geführt und beschrieben werden. Wie hübsch ist es doch, sich 
eine Sammlung sauberer und zierlicher Abgüsse von Medaillen, 
Münzen, Gemmen und kleinen Flachreliefs anderer Art beizulegen, 
und die Freude an diesen Dingen kann gewifs nur gewinnen, 
wenn der Besitzer gleichzeitig der Verfertiger ist. Dabei ist die 
Sache verhältnismäßig einfach und erfordert nur wenige, aufser- 
dem nicht teure Materialien und Werkzeuge. 
Bleiben wir zunächst bei der Gipsform, um späterhin von 
der Leimform zu sprechen. 
Das wichtigste Material ist der Gips. Dieses Weifse, durch 
Brennen und Mahlen von schwefelsaurem Kalk gewonnene Pulver 
hat die wichtige Eigenschaft, dai? es, mit Wasser zu einem Teige 
gerührt, alsbald unter Erzeugung von Wärme fest wird, in kurzer 
Zeit trocknet und fest bleibt. Die Qualitäten des Gipses sind je 
nach dem verwendeten Rohmaterial sehr verschieden. Es empfiehlt
        

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