Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Liebhaberkünste
Person:
Meyer, Franz Sales
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-768438
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-771015
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Zweiter Abschnitt. 
Die verschiedenen Liebhaberkünste. 
Auch durch Bemalung und Bronzierung lassen sich bei 
richtigem Vorgehen sehr schöne Effekte erreichen. Die Bemalung 
geschieht mittelst der bekannten Olfarben in Tuben, lavierend 
und lasierend, so dafs die Farbe des __Leders immerhin noch der 
Hauptsache nach vorhanden bleibt. Ahnlich ist es in Bezug auf 
das Bronzieren. Für das richtige Wie ist schwer eine Regel auf- 
zustellen; künstlerisches Gefühl wird am besten den Weg weisen. 
Es wäre barbarisch, modellierte Lederarbeiten über und über mit 
dicker Ölfarbe oder Bronze zu überstreichen. Hat man esida- 
gegen mit Arbeiten zu thun, die nur geschnittene, ausgeweitete 
Umrisse aufweisen, ohne modelliert und getrieben zu sein, so 
entsteht unter Umständen eine gute Wirkung, wenn der eine Teil 
im Leder stehen bleibt, der andere, z. B. der Grund, mit dick 
aufgetragener Ölfarbe oder Bronze ausgelegt wird. So sind 
Bordüren und Bänder nach Art der gotischen Flachschnitzereien. 
sehr wirksam, wenn sie, wie es in Bezug auf jene auch geschah, 
mit Farben ausgefafst werden. 
Jede Art von Malerei und Bronzierung aber hat in einem 
gewissen Rahmen zu bleiben. Grelle und naturalistische Farben- 
effekte verbieten sich. Eine gewisse Stimmung, eine Abtonung 
der Farben und Bronzen nach der natürlichen Farbe des Leders 
ist das Richtige. Das Studium alter, farbiger Ledertapeten kann 
in dieser Hinsicht nur auf das beste empfohlen werden. 
Da die stilistische Seite nun einmal berührt ist, so sei ferner 
darauf hingewiesen, dafs die Ledertechnik überhaupt einen gewissen 
Stil als ihr zu eigen, als ihr am besten entsprechend, verlangt. 
Breite, derbe Formen nach Art der spätgotischen und der Orna- 
mentik der Frührenaissance sind vorzüglich geeignet. Heraldische 
Dinge, Wappen mit gezattelten Helmdecken, flott geschwungene 
Spruchbänder, Kartuschenwerk sind dankbare Motive. Kleiner, 
zierlicher Kram, peinliche Genauigkeit und naturgetreuer Realis- 
mus machen hier gar keine Wirkung. Man beachte dies bei der 
Wahl der Vorbilder und dem Entwerfen der Muster. 
Manch Brauchbares findet sich bei Hirth, Der Formen- 
schatz; bei Gerlach, Allegorien und Embleme und anderorts. 
Spezialvorbilder für die Ledertechnik sind auch bereits er- 
schienen; es sei erwähnt:  
Bender, Originalentwürfe für geschnittene und ge- 
punzte altdeutsche Lederarbeiten. Folio. Die Lieferung 
zu 6 Blatt 2 M. 50 Pf. Leipzig, G. Fritzsche. 
Das Anwendungsgebiet für die Ledertechnik ist äußerst um- 
fangreich. Aus der Reihe der zahlreichen Gegenstände seien auf- 
geführt:
        

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