Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Liebhaberkünste
Person:
Meyer, Franz Sales
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-768438
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-770921
Die Lederplastik. 
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Messer nach Fig. 170a. Mit diesem Messer werden die Um- 
risse in das Leder eingeschnitten, nachdem die Zeichnung aufge- 
paust ist, was auf dem gewöhnlichen Wege mit hartem Bleistift 
oder einer Pausnadel erfolgt. Das Messer wird mit der rechten 
Hand (gewöhnlich nach vorwärts) geführt; die linke Hand hilft 
unterstützend zur richtigen Führung mit. Ein genaues Einhalten der 
richtigen Linie ist die Hauptsache der ganzen Arbeit und lernt sich 
durch Übung. Das Leder soll dabei bis zur Hälfte seiner Dicke auf- 
geschnitten werden. Zu tiefer Schnitt schwächt die Dauerhaftigkeit 
der Arbeit, zu Hacher Schnitt schadet der spätern Wirkung. Das 
Schneiden geschieht auf einer ebenen Unterlage aus Hartholz oder 
einer geschliffenen Steinplatte (einem ausgebrauchten Lithographie- 
stein oder Ahnl.). Die Steinunterlage hat den Vorzug, dafs beim 
Niederschlagen und Punzen mit dem Hammer weniger Geräusch 
entsteht. Wählt man ein schmales Messer mit breitem Rücken, 
so können gleichzeitig die Schnittlinien ausgeweitet und ver- 
breitert werden, was übrigens auch als besondere Arbeit mit 
dem Modelliereisen (Fig. 17ob) geschehen kann. 
Nach beendigtem Einschneiden wird das Leder mit einem 
nassen Schwamme mit Wasser angefeuchtet, damit es eine 
gewisse Weichheit und Modellierfähigkeit erlangt, was dann im 
Laufe der Arbeit so oft zu wiederholen ist, als es nötig erscheint. 
Die vom Ornament oder der Darstellung nach aufsen gelegene 
Seite der Schnittlinie, die also zum Grund gehört, wird mit dem 
Modelliereisen scharf dem Umrifs entlang und kräftig nieder- 
gedrückt, wodurch sich die Ornamentik abhebt und höher legt. 
Wo hiebei das Modelliereisen nicht ausreicht, wo es sich um 
gröfsere Flächen und starkes Leder handelt, da erfolgt das Nieder- 
drücken mit besondern Niederschlageisen (Fig. 17oc) und 
dem Hammer (Fig. 170d). Auch dieses Geschäft erfordert 
Ubung, wenn die Fläche gleichmäfsig niedergedrückt erscheinen 
soll. Es ist zweckmäfsig, zwei Schlageisen zu haben, eins mit 
viereckigem, eins mit rundem Ende, um sowohl den geraden 
als gebogenen Umrissen bequem folgen zu können. Für kleine, 
unzugängliche Stellen hilft wieder das Modelliereisen aus. Mit 
diesem erfolgt auch die weitere Glättung und Ausebnung, indem 
man es der Breite nach führt.  
Das eigentliche Modellieren innerhalb des Ornamentes 
oder der Darstellung geschieht ebenfalls mit dem Modelliereisen. 
Scharfe Modellierungen, Linien und Striche werden mit dem 
spitzen Ende, breitere Modellierungen mit dem stumpfen, löffel- 
artigen Ende ausgeführt. 
Die weitere Behandlung des Grundes, wenn des bessern 
Aussehens und des Kontrastes wegen eine solche beliebt wird, 
geschieht durch das Punzen.
        

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