Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Liebhaberkünste
Person:
Meyer, Franz Sales
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-768438
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-770841
Die einfachsten und häufigsten Formen der Kerben sind der 
Dreischnitt, der Vierschnitt, der Zweischnitt (Mandelform), 
der Keilschnitt und der Furchenschnitt. Bedenkt man, dafs 
beim Dreischnitt zwei Schnitte senkrecht und einer schräg, einer 
senkrecht und zwei schräg oder alle drei schräg erfolgen können 
und dal's Ähnliches für die andern Schnittarten gilt, so ergibt 
sich schon eine grofse Zahl von Einzelformen, da die Dreiecke 
regelmäfsig, rechtwinklig, stumpfwinklig, gleichschenklig u. s. w., 
da die Vierecke Quadrate, Rauten, Rechtecke, Trapeze u. s. W. sein 
können. Dazu kommen nun noch die Bogen, die Furchen (parallel, 
radial, längs-, quer-, schräglaufend); dazu die Unterbrechung der 
Kerben durch stehen bleibende Teile und ein Wechsel im Mafs- 
stab der einzelnen Formen: und einem mathematischen Gemüte 
wird es sofort klar sein, dafs die Zahl der möglichen Kombina- 
tionen ins Endlose geht. (Fig. 162.) 
Als Material dienen weiche und harte Hölzer, hauptsächlich 
aber die letztem, vornehmlich Linde, Birnbaum, Nufsbaum, 
Eiche und Buxbaum, deren Wahl hauptsächlich durch den 
Mafsstab bedingt wird. Die Unterlage mufs sauber, glatt und 
eben sein; die Zurichtung sowie die etwaige spätere Fertigstel- 
lung ist durch den Schreiner, unter Umständen durch den Dreher 
zu besorgen. 
Die Zeichnung wird auf dem Gegenstand selbst ausgeführt 
mit Bleistift oder durch Aufreifsen mit spitzen Instrumenten. Das 
Uberpausen empfiehlt sich nicht, Weil die geometrische Natur der 
Zeichnungen dabei leicht zu Ungenauigkeiten führt. 
Als Instrumente benützt man verschiedenerlei Messer, 
Stecheisen und sog. Geisfüfse. Das einfachste Instrument, 
mit dem allein schon bei einer gewissen Beschränkung sich die 
Arbeit ausführen läfst, ist ein Schnitzmesser nach Fig. 163 a. 
Kommen dazu noch einige Stecheisen mit gerader und gerade 
abgeschnittener Schneide (gerade Eisen) (Fig. 163 b), mit gerader 
und schräg abgeschnittener Schneide (Balleisen) (Fig. 163 c), mit 
schwach gebogener Schneide (Flacheisen) (Fig. 163 d), mit mehr 
gebogener Schneide (Flachhohleisen) (Fig. 163 e), mit halbkreis- 
förmig gebogener Schneide (Hohleisen) (Fig. 163f), mit Vför- 
migerSchneide (Geisfüfse) (Fig. 163 g), gekröpfte Eisen (Fig. 163 h) 
und ein oder mehrere Punzen für rauhe Gründe (Fig. 163i), so 
ist der Apparat in weitreichendstem Sinne bei einander. Als 
Punzen können zur Not auch grofse Drahtnägel dienen, deren ein 
oder anderes Ende benützt werden kann. 
Eine unbedingte Notwendigkeit für eine tadellose Arbeit ist 
die gute Beschaffenheit der Werkzeuge und stetes Scharfhalten 
derselben. Sind dieselben erst einmal ordentlichangeschliilen, 
so lassen sie sich durch Nachschleifen auf dem Arkansasölstein
        

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