Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Liebhaberkünste
Person:
Meyer, Franz Sales
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-768438
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-770573
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Zweiter Abschnitt; 
Die verschiedenen Liebhaberkünste. 
spiegel auf der spiegelnden Seite mit Figuren und Ornamenten 
geschmückt gewesen sind. Gewifs; aber diese Verzierung bestand 
in wenigen eingravierten, feinen Linien, welche die Verwendung 
des Spiegels zu seinem ureigentlichen Zwecke nicht störten. 
Anderseits ist der Hintergrund der spiegelnden Metallfolie für 
die ästhetische Wirkung der Malerei höchst gefährlich. Nur ganz 
bescheiden und geschickt angebrachte Malereien, in feinster Ab- 
wägung der Töne und ohne jeden Knalleüfekt, werden eine er- 
trägliche Wirkung erzielen. Warum aber sollte sich der Dilet- 
tant auf ein Feld begeben, das dem gewiegten Künstler seine 
Schwierigkeiten bieten "wird? Man überlege sich dieses und 
greife zu Dingen, die dankbarer sind.  
Das Gleiche, nur in geringerem Mafse, gilt für die Malerei 
auf blankes, durchsichtiges Glas, habe es die Form von Tafeln 
oder Gefäfsen. 
Die Milchglasrnalerei und die Malerei aufmattgeschlif- 
fenes Glas ist weniger bedenklich. Sie geschieht wiederum 
mit Ölfarbe. Wo die Farbe die Grenzen nicht halten will, also 
Neigung zum Verlaufen und Verfliefsen zeigt, was je nach Art 
der Oberfläche der Fall sein wird, da werden die zu bemalen- 
den Teile mit Siccatif de Courtrai untermalt. Hervorragende 
und besonders dankbare Wirkungen werden jedoch auch auf 
Milchglas und Mattglas nicht erzielt werden. 
Die Perlmuttermalerei aber ist eine Spielerei, der gar 
keine künstlerische Seite abzugewinnen ist. Sie hat ihren Namen 
nicht etwa, weil dabei auf Perlmutter gemalt würde, sondern 
aus folgenden Gründen. Bemalt man durchsichtiges Glas auf 
derjenigen Seite, die nach der Fertigstellung die Rück- oder 
Unterseite ist, mit schwarzer Farbe, Bronze oder einem andern 
undurchsichtigen Mittel in der Weise, dal's die eigentliche Dar- 
stellung oder Zeichnung blank im Glase ausgespart bleibt; über- 
malt man fernerhin diese ausgesparten Stellen mit dünnen Ölfarb- 
lasuren in absichtlich ungleichstarkem Auftrag und hinterlegt oder 
unterfüttert schliefslich das Ganze mit zerknittertem Staniol, so 
entsteht allerdings ein Gebilde, welches halb einer Perlmutter- 
einlege -Arbeit, halb einer Malerei gleichsieht, aber keins von 
beiden ist oder ordentlich nachahmt. Einigermafsen erträglich 
wirkt diese Technik noch in der Anwendung auf die markt- 
schreierischen Schriften der Schaufenster. Dabei sollte es aber 
am besten belassen bleiben. 
Von diesem Standpunkte ausgehend, erscheint die Namhaft- 
machung der entsprechenden Vorbilder und des Verwendungs- 
gebietes als überflüssig. 
        

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