Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Liebhaberkünste
Person:
Meyer, Franz Sales
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-768438
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-768733
Zur Einleitung. 
jener altes Kirschenwasser. 
Eirfge suchen Altertümer, 
Andre essen Maienkäfer, 
Dritte machen schlechte Verse: 
s'ist ein eignet Spafs, dafs jeder 
Das am liebsten treibt, wozu er 
just am wenigsten Beruf hat." 
Das sind die Worte, die Scheffel dem alten Freiherrn im 
Trompeter in den Mund legt. Wie echt und richtig klingt diese 
Philosophie; die fatale Schlufsbemerkung wird und soll niemand 
veranlassen, dafs es künftig anders sei. 
Unsere Liebhaber Werfen sich auf die hohe Kunst, wenn s_ie 
hoch hinaus wollen; sie malen ihrer Phantasie Gebilde in Ol 
und in Wasser. Wenn sie bescheidener sind, kopieren sie die 
Natur und die Kunst anderer. Oder sie bleiben mehr beim 
Handwerk und verzieren Schalen und Töpfe, Kasten und Schach- 
teln, Teppiche und Tischtücher; sie sägen und schneiden im Holz 
herum, kneten in Leder und Kautschuk, säuren die Metalle und 
Steine an oder, wenn sie der eigenen Kraft noch weniger ver- 
trauen, pressen sie Blumen, ziehen Bilder ab und treiben ähn- 
liche Scherze. Vornehmlich sind es die Frauen, Welche diesen 
kleinen Künsten huldigen, sei es, weil sie mehr Sinn, sei es, 
weil sie mehr Zeit für dieselben haben als der Mann. Wer 
dieses geschäftige Wirken ohne Vorurteil betrachtet, der wird es 
als zu Recht bestehend gelten lassen. Spinnen und Stricken 
lohnen sich heute nicht mehr. Kochen und nähen kann man 
auch nicht den ganzen Tag, und wer keine Haushaltung hat, kann 
sie auch nicht führen. Jedenfalls sind die Liebhaberkünste eine 
bessere Beschäftigung und Erholung, als das Schlagen der Kaffee- 
schlachten und das Verschlingen ungezählter und ungewählter 
Romane. Es mutet uns wohl an, wenn wir auf dem Fenster- 
brett der Landleute den beliebten Flor von Fuchsien, Geranien 
und schön frisierten Meerzwiebeln finden, weil sie einen Rück- 
schlufs ziehen lassen auf das Gemüt ihrer Pfleger. Und so wird 
es uns auch wohl anmuten müssen, wo wir das Blümlein Kunst 
in sorglicher Pflege finden. Nicht jeder kann Palmen im G6- 
wächshaus pflanzen, darum soll man auch dessen achten, Was 
der Kleine im Kleinen erreicht oder wenigstens zu erreichen 
sucht. 
Für solche Liebhaber der Kunst ist dieses Buch ge- 
schrieben, also in erster Linie für die Frauen. Es sollte 
ursprünglich den Titel führen "Handbuch der Dilettantenkünste". 
Den deutschen Sprachreinigern zuliebe hat sich der Verfasser eines 
Bessern besonnen, und so heifst es nunmehr "Handbuch
        

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