Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Liebhaberkünste
Person:
Meyer, Franz Sales
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-768438
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-769851
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Zweiter Abschnitt. 
Die verschiedenen Liebhaberkünste. 
ist es auch, Vorbilder in eine andere Manier zu übertragen, z.B. 
Photographien in die Strichmanier etc. Auch durch das Zeichnen 
in einem von dem Original verschiedenen Mafsstabe wird das Auge 
günstig geübt.  
Dafs der Ubung im Malen diejenige im Zeichnen vorauszu- 
gehen pflegt, ist begründet und naheliegend, weil die Malerei 
die Zeichnerei zur Voraussetzung hat. Man kann ja wohl beides 
gleichzeitig, in einem hin erlernen; doch erscheint auch hier das 
moderne Prinzip der Arbeitsteilung von Vorteil. Eine Über- 
gangsstufe zwischen Zeichnen und Malen ist übrigens durch die 
sog. Sepiamanier gegeben, Darstellungen, mit dem Pinsel aus- 
geführt in einem Ton oder wenigen Tönen, Grau in Grau, mit 
oder ohne aufgesetzte Lichter. Angenehme und übliche Töne 
hiefür sind: Tusche, Sepia, Sepia und Tusche, Indigo mit Sepia, 
Indigo mit Tusche u. s. W. Auf hellem Papier bleiben die 
Lichter weg; auf grauen und graublauen Tonpapieren können sie 
in reinem Permanent-Weifs aufgesetzt werden; auf gelbem und 
braunem Grund wird das Weifs der Lichter mit Gelb gemischt. 
Zu dieser Übergangsstufe zählen auch die Darstellungen, in denen 
die Federmanier mit der Laviermanier verbunden zur Anwendung 
gelangt. Die Umrisse und auch die Lichter und tiefen Schatten 
können mit der Feder gezeichnet, während die Mitteltöne mit 
dem Pinsel gemacht Werden, gleichwie die Untermalung in den 
Schatten. Auch das Zeichnen mit Bleistift und Kreide kann mit 
der Malerei kombiniert werden. Die Effekte sind unter Um- 
ständen ganz gut; wer der Sache nicht sicher ist, lasse es lieber, 
da leicht Unsauberkeiten dabei unterlaufen. 
Was nun die Malerei betrifft, so ist zunächst auseinander- 
zuhalten, was gemalt werden soll. Darnach sind die Techniken 
ganz verschieden. Man wird vor allem unterscheiden müssen 
zwischen dekorativer Flächenmalerei und der eigentlichen Aqua- 
rellmalerei. Für die erstere kommen als Untergrund aufser dem 
Papier noch verschiedene andere Stoffe in Betracht, wie Holz, 
Thon, Seide, Pergament u. a.; für die letztere eigentlich nur das 
Papier. Die dekorative Flächenmalerei ist weniger schwierig, 
mehr handwerksmäfsig, die eigentliche Aquarellmalerei ist eine 
Kunst im vollen Sinne des Wortes, völlig ebenbürtig der Ol- 
malerei. Die dekorative Flächenmalerei läfst teils den Untergrund 
durch die Farbe hindurchscheinen, lasiert und laviert; sie benutzt 
aber auch teilweise oder ausschliefslich Decktöne, die den Unter- 
grund nicht durchscheinen lassen. Die ausschließliche Anwendung 
der Decktöne bezeichnet man als Gouachemalerei. 
Die eigentliche Aquarellmalerei greift nur ausnahmsweise 
zu Weifs und Decktönen; sie spart die Lichter im überlasierten 
Papier aus und arbeitet vom Hellen ins Dunkle, während in der
        

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