Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Liebhaberkünste
Person:
Meyer, Franz Sales
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-768438
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-769596
Blattgold 
und 
Blattvergoldung. 
Die Blattvergoldung kommt in Bezug auf die Liebhaber- 
künste hauptsächlich in Betracht für Hintergründe von Ölmale- 
reien auf Holz und für Lederarbeiten. 
Das echte Blattgold ist in verschiedenen Farben und in 
der Form feinst geschlagener Goldblättchen, eingelegt zwischen 
die Blätter der bekannten kleinen Büchlein, käuflich. 
Die zu vergoldenden Holzteile erhalten zunächst einen An- 
strich mit Schellackfirnis, der, wenn nötig, zu Wiederholen ist, 
und schliefslich einen leichten Überzug von Poliment oder Gold- 
grund. Wenn dieser letztere Auftrag gerade__ noch klebrig ist, 
geschieht das Auflegen des Blattgoldes. Die Olmalerei wird auf 
die ausgesparten Partien nach der Vergoldung eingemalt. Andern- 
falls mufs dieselbe, bevor vergoldet wird, vollständig trocken 
sein, weil sonst das Gold auf der Malerei haften würde. 
Das Zurechtschneiden der Goldblättchen geschieht mit 
dem Vergoldemesser (ein dünnes, spachtelartiges Messer aus 
poliertem Stahl) auf dem Vergoldekissen (ein überpolstertes, 
mit weichem Leder überzogenes Brettchen). Das Aufnehmen 
der Goldblättchen wird vermittelst des Anschufspinsels be- 
wirkt (ein breiter Pinsel mit wenigen langen Haaren). Vor dem 
jeweiligen Aufnehmen wird der Pinsel durch die Kopfhaare ge- 
zogen, wobei er ein Minimum von Fett aufnimmt. Das aufgelegte 
Gold wird angeblasen und mit einem dicken, runden Iltispinsel 
nach Art der Vertreiber festgedrückt. Leer gebliebene Stellen 
werden mit kleinen Stückchen Blattgold ausgebessert. Nach Been- 
digung der Arbeit findet ein Abwischen mit weichem Pinsel statt. 
Nach dem Trocknen kann ein leichter Firnisüberzug gegeben 
werden. 
Diese Vergoldung ist matt. Wo der Goldgrund im ganzen 
oder teilweise glänzend sein soll, hat die Leimvergoldung 
mit nachträglichem Polieren einzutreten. Da sie für den Dilettanten 
nicht wohl in Betracht kommen kann, möge die Beschreibung 
fortfallen. 
Ähnlich ist zu verfahren, wenn auf Leder oder andern Stoffen 
ganze Flächen vergoldet werden sollen. Wo es sich auf Leder 
nur um Linien und dergl. handelt, wird mit Eiweifs grundiert 
(Eiweifs mit Wasser geschlagen und unter Zusatz von etwas 
Kochsalz abgeklärt) und das aufgelegte Blattgold durch Aufpressen 
von erwärmten Fileten, Rollen, Spadien und Stempeln zum 
Haften gebracht. Das Überflüssige wird abgekehrt.
        

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