Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Stilisieren der Thier- und Menschen-Formen
Person:
Schubert von Soldern, Zdenko
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-553502
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-554632
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Der 
wesentlichste 
Unterschied 
zwischen 
der 
mittel- 
alterlichen und antiken Auffassung der Wasserspeier ist 
der, dass die Gothik den ganzen Körper verwendet und 
denselben möglichst fratzenhaft bildet, während die Antike 
nur den Kopf des Thieres benützt (Vergl. Fig. 16) und 
demselben zumeist eine zwar stilisierte, aber doch edle 
Form zu geben sucht. Die gothische Behandlung ist in 
gewissem Sinne praktischer aber derber, da. hiebei das Regen- 
wasser in der That weiter vom Baugrunde fortgeschafft wird, 
die antike Auffassung entspricht dagegen mehr den höheren 
ästhetischen Anforderungen. 
Dieselben Züge von Humor, nicht selten verbunden 
mit der Darstellung von bestimmten Personen finden sich 
zuweilen auch auf halbmonumentalen Objecten vor, als Bei- 
spiel mag das bekannte Sacramenthäuschen in der St. Lo- 
renzo-Kirche zu Nürnberg angeführt werden, bei demselben 
sehen wir den Bildhauer Adam Kraft in seiner hand- 
werklichen Kleidung, im Vereine mit zwei Gesellen das 
Häuschen knieend auf ihren Rücken stützen, ihre structive 
Aufgabe ist nicht sehr ernst zu nehmen, das Ganze ist 
nur ein Scherz und als solcher in der Gothik sehr beliebt. 
Immerhin haben derartige humoristische Züge in der 
strengen Architektur etwas Bedenkliches, namentlich wenn 
dieselben zusehr überhand nehmen, auf alle Fälle ziehen 
sie den Beschauer von der Betrachtung des Kunstwerkes 
ab, auch ist hier in diesem Beispiel die Person des aus- 
führendenBildhauers allzusehr in den Vordergrund gestellt, 
mit 
der 
offenbaren 
Absicht, 
sich 
selbst 
Zll 
verewigen. 
Auch an einem anderen hochbedeutenden, mittelalter- 
lichen Kunstobjecte, dem Sebaldusgrabe in der St. Sebaldus- 
Kirche in Nürnberg finden wir animalische Formen in
        

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