Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Stilisieren der Thier- und Menschen-Formen
Person:
Schubert von Soldern, Zdenko
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-553502
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-555771
ausfüllen oder sich um einÄstchenringeln. Neben der nahezu 
ganzen menschlichen oder chimärischen Figur kommen 
aber auch bloss Theile von Menschen und Thieren vor 
und ist hier insbesondere der menschliche Kopf zu er- 
wähnen, welcher häufig als Mittelpunkt fungiert, dann 
pflegen seine Barthaare sich blätterartig zu gestalten und 
den Ausgangspunkt des weiteren Pflanzengerankes zu bilden. 
Die Hochrenaissance, welche sich einer strengeren 
Nachahmung der römischen Vorbilder beiieisste, püegte 
namentlich in der Aussenarchitektur das vegetabilische 
Ornament weit seltener anzuwenden, während es in der 
Decoration der Innenräume noch immer seinen Platz be- 
hauptete, nur war dasselbe stark gemischt mit animalischen 
Elementen und den Producten des menschlichen Kunst- 
tieisses. 
Als Höhepunkt der decorativen Kunst der Hoch- 
renaissance können die Ausschmückungen der Vaticanischen 
Loggien durch Rafael betrachtet werden, zugleich finden 
sich hier alle Decorationsmotive der Renaissance in voller 
Harmonie vereinigt. (Fig. 134 und 135.) Den grössten 
Einfluss auf diese Decorationsweise hatte die Entdeckung 
oder genauere Untersuchung der antiken Thermenanlagen, 
namentlich der Titusthermen, welche man damals „Grotten 4' 
nannte, weshalb dieser Decorationsweise der Name "Grottesk" 
beigelegt wurde. In den RafaePschen Loggien findet sich der 
menschliche Körper in der verschiedenartigsten und reichsten 
Weise angewendet und daneben kommen auch Thierformen 
vor, bald naturgetreu, bald chimärisch, bald gemalt, bald 
plastisch, bald in ganzer Figur, bald nur Theile derselben. 
In den Werken Rafaels und Michelangelos, den höchsten 
Kunstschöpfungen der italienischen Renaissance, liegt aber 
auch schon der Keim des Barocken, schon Rafaels Schüler 
S chnbert: Stilisieren der Thier- und Menschenformen. 13
        

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