Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Stilisieren der Thier- und Menschen-Formen
Person:
Schubert von Soldern, Zdenko
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-553502
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-555185
Griechenland fast ausschliesslich mit, dem 'l'en1pel zu thun 
haben, sind es vorwiegend Götter und Heroen-Darstellungen, 
die hier ihren Platz linden. 
Die griechischen Götter und Halbgötter aber nehmen 
die einfach schöne, menschliche "Form an und wirken 
dadurch auf den gebildeten Beschauer weit mehr, als dies 
durch die fantastischen, fratzenhaften Götter ungebildeter 
Völker geschehen kann, die durch ihre Colossalität und 
Hässlichkeit Schrecken einflössen, während die herrlichen 
griechischen Götterbilder durch ihre ruhige Schönheit Be- 
wunderung und geistige Erhebung erzeugen. 
Für den feinen Sinn des Griechen ist es sehr be- 
zeichnend, wie er die menschliche Gestalt bildete  die- 
selbe ist zunächst ein wahres Abbild der Natur, nur ist 
alles Zufällige vermieden und dadurch in einer verall- 
gemeinerten Form wiedergegeben, zugleich ist aber mit 
feinem Gefühle das Schönste, was die Natur in ihrer 
Mannigfaltigkeit bietet, in harmonischester Weise an 
einem Objecte vereinigt  und so der menschliche 
Körper idealisirt. Wenn nun namentlich, was die Ver- 
hältnisse der einzelnen Theile des menschlichen Körpers 
anbelangt, einzelne Proportionen sich anders gestalten, als 
der Durchschnitt der Messungen nach der Natur ergiebt, wenn 
sich insbesonders ein verhaltnismässig kleinerer Kopf und 
Oberkörper bei griechischen Statuen nachweisen lassen, so 
zeigt dies eben von dem feinen Gefühl für das Schöne, 
das den Griechen beseelte, dass er gerade bloss jene Ver- 
haltnisse der Natur in seinen Statuen reproducierte, die 
ihm schön vorkamen und nicht die mathematischen Durch- 
schnittsverhältnisse des menschlichen Körpers als seine 
Norm 
anerkannte.
        

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