Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-789074
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Griechifche Baukunfi. 
Entwickelung des griechifchen Lebens. Indem die Dorer den Stamm der Jonier 
nach Attika zurückdrängten und ihn zur Colonifation der kleinafiatifchen Küfle 
trieben, trat das Doppelwefen jener beiden fo grundverfchiedenen Stämme def- 
felben Volkes, durch das die vollendete Entfaltung des Griechenthums bedingt 
war, kräftig hervor. Die ernilen, würdevollen, kriegerifchen Dorer bildeten nicht 
blos einen Gegenfatz, fondern eine glückliche Ergänzung zu dem weicheren, 
anmuthigeren, den friedlichen Künßen mehr zugeneigten Charakter der Jonier; 
jene wurden durch den Einfluß diefer gemildert, diefe durch den WVetteifer mit 
jenen gekräftigt, und nur diefem einzig in der Gefchichte daftehenden NVechfel- 
verhältnille verdanken wir die Wunderblüthe griechifcher Cultur. Wie (ich hier- 
durch erll die Eigenthiimlichkeiten hellenifcher Sitte ausbilden konnten, muß 
auch die Entfaltung der Architektur unter dem Einiluß derfelben günlligeit Be- 
dingungen flattgefunden haben. Es läßt {ich demnach annehmen, daß die Zeit 
von der Einwanderung der Dorer (um 1000 v. Chr.) bis zur Epoche der in 
ihren Grundzügen vollendeten Verfallungen, die durch Solons Gefetzgebung be- 
zeichnet wird, auch den Formen der Architektur im NVefentlichen ihre fefte 
Ausprägung 
gab, 
System 
der 
griechischen 
Baukunst. 
So mannigfaltig die Bauwerke der bisher betrachteten Völker waren, und fo 
verfchiedenartig in ihrer Mannigfaltigkeit, fo einfach und klar beilimrnt lind die 
Schöpfungen der griechifchen Architektur. Wir haben hier den Tempel vorzugs- 
weife zti betrachten, da es bei der republikanifchen Einfachheit jenes Volkes 
keine Palälle gab, und die Kunilform der Architektur {ich gerade am Tempelbau 
vornehmlich entwickelt hat. 
Fig. 
Tempelgicbel. 
Aegina. 
Mit Recht hat man das NVefen des griechifchen Tempels durch den Begriff 
des {bläulenwlggies ausgedrückt. Auf einem mächtigen, aus großen Steinblöcken 
feft und forgfältigägefugten Unterbau von drei oder mehreren Stufen wird das 
Gebäude gleichfam als ein der Gottheit dargebrachtes Weihgefchenk über die 
umgebende Landfchaft erhoben. Der Tempelbezirk, der geweihte Temenos, der 
den Tempel umfchließt, wird im ganzen Umfange durchiiü Mauer, in welche
        

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