Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-789064
ERSTES 
KAPITEL. 
Die 
griechische 
Baukunst. 
Griechenland bot in der Lage und Naturbefchaffenheit des Landes einen 
bemerkenswerthen Gegenfatz gegen die bisher betrachteten Länder. Hier erdrücltte 
nicht die Triebkraft einer tropifchen Vegetation; es waltete nur die Milde und 
Anmuth eines füdlichen Klimas. Hier war nicht gcwiiTen übermächtigen Natur- 
bedingungen der Boden für Entfaltung des Culturlebens abzutrotzen; es gab die 
mäßige Befchaffenheit des Landes Anregung zur Thätigkeit, aber auch Ausficht 
auf erfolgreiches Mühen. In reichßzer Mannigfaltigkeit gliedert {ich das durch 
Gebirgszüge und tief einfchneidende Buchten vielfach getheilte Land zu mancherlei 
Einzelgrtippen, die für die Entfaltung eines befonderen Lebens den geeignetßen 
Spielraum boten. Die hafenreiche Külte und die herrliche Lage inmitten dreier 
Welttheile lockte zum Handel, zur Meerfahrt, zur Beweglichkeit des Denkens 
und Trachtens. 
Auf diefem bevorzugten Boden treffen wir nun ein Volk, das in feinem 
Wefen die Vorzüge des Landes gleichfam zur edelften Blüthe entfaltet zeigt. 
War bei jenen Völkern des früheren Alterthums irgend eine Seite menfchlicher 
Begabung auf Kollen der übrigen ausfchließlich vorwiegend, dort die Phantafie, 
dort der grübelnde Verftand, dort die praktifche Richtung nach Außen: fo lind 
in den Griechen jene Eigenthümlichkeiten auf's Edelfte verfchmolzen. 
Um zur Betrachtung der griechifchen Kunfl zu gelangen, haben wir die 
Nebel einer Vorzeit zu durchlaufen, deren Denkmäler zu den eigentlich 
griechifchen Schöpfungen {ich ungefähr fo verhalten, wie jene als Vorllufen be- 
zeichneten afiatifchen und ägyptifchen Werke. Wir haben über diefe merk- 
würdigen Denkmäler in der Einleitung (S. 17 ff.) berichtet. 
Fragt man, welche gefchichtlichen Ereignitfe dem Walten jenes künitlerifchexi 
Triebes ein Ende gemacht und an feine Stelle die klare, edle Weife, die wir 
als griechifche Kunft kennen, gefetzt haben, fo ill auf die entfcheidende Um- 
wälzung hinzudeuten, welche durch das Eindringen der Dorer aus dem Norden 
Griechenlands nach dem Peloponnes bewirkt wurde. Dies iil der Beginn der 
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