Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-788997
Bis in wie verhältnißmäßig junge Zeit die Anlage folcher Bauwerke herab- 
reicht, bezeugt die berühmte Pagode von Jaggernaut, die im Jahre 1198 n. 
Chr. vollendet wurde, in der Anlage eines der großartigflen und umfangreichflexl, 
in der Ausführung dagegen roher als die vorher genannten Werke. Noch viel 
jünger ifl ein Tfchultri (Saal für die Aufnahme der Pilger) zu Madura, wel- 
cher erfl im Jahre 1623 unferer Zeitrechnung begonnen wurde. Diefer rieiige 
Saal wird von 124 in vier Reihen geflellter Pfeiler getragen, deren jeder bis zum 
Kapitäl aus einem einzigen Granitblock befleht. Ein andrer Pilgerfaal in der 
oben genannten Pagode von Chillambrum, ebenfalls aus fünf Schiffen beflehend 
(Fig. 65) gibt ein anfchauliches Beifpiel von der phantaflifchen Ausbildung und 
Ueberladtumg aller Formen, vom Sockel der Pfeiler und Säulen bis zu den weit 
ausladenden Gebälken und Gefimfen, die durch ihr Vorkragen die Decke des 
2IV2 
Fuß 
breiten 
MittclfchiHc-s 
tragen. 
Neben jenen Topds und meift mit ihnen verbunden trifft man in Indien 
zahlreiche ausgedehnte bauliche Anlagen, welche in den Granitkern der Berge 
hineingearbeitct find. Auch diefe fcheinen ihre erfte Eiltflelulng dem Buddhis- 
mus zu verdanken. Da es bei den frommen buddhiflifchcn Schxvärn-icrn nämlich 
Sitte war, {ich oft auf längere Zcit zu religiöfen Ucbungen und Betrachtungen 
aus dem Geräufch der Welt zurückzuziehen und die Einfamkeit der Gcbirgsklüfte 
und Höhlen aufzufuchen, fo kam man bald darauf, diefe Höhlen künfllich Weiter 
auszubilden, größere Haupträrlme fammt umgebenden Kapellen und einzelne Cellen 
für die frommen Büßer auszutiefen und einen Complex mannigfacher Räume 
daraus zu geilalten. Diele klollerähnlichen Anlagen, die fogenannten Vihära's, 
haben zum Mittelpunkt in der Regel eine größere tempelartige Halle, welche das 
Bild Buddhzfs enthält. Die älteflen fcheinen die Felshöhlen bei Gajah zu fein, 
welche, wie die lnfchrifren bezeugen, von König Dasaratha, dem zweiten Nach- 
folger Asokefs, den huddhiiiifchen Pricflern zur XVohnung hergerichtet worden 
lind. Andere Anlage, undzwar die eines einfacheren Heiligthums, zeigen die 
Chaitja-Grotten, welche lediglich als Tempel dienten. Bald als der Brahrnais- 
mus feine Rcaction gegen die neue Lehre begann, ahmte er diefelbe auch in der 
Anlage der Grotten nach und machte auch hierin die überfchwängliche Phantaßik 
feiner Sinnesweife geltend. So linder man eine Zeit lang Grotten buddhiilifchei" 
und brahmanifcher Art neben einander, bis zuletzt, feit dem Llnterliegen oder 
Bciitz 
der Verdrängung des Buddhismus, feine Grotten von den Brahmanen in Beiitz 
genommen und mannigfach umgellaltet werden. 
Die einfachere und urfprünglicherc Anlage finden wir bei den buddhilli- 
fchen Grotten. Die Grundform des Heiligtlulnis flellt in der Regel einen läng- 
lichen, rechtwinkligen Raum dar, der durch zwei Reihen fchlicht gebildeter 
Pfeiler in drei Schiffe getheilt wird. 1.321s mittlere von diefen ifi breiter und 
läuft nach dem einen Ende in eine Halbkreisnifche aus, um welche die Seiten- 
in
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.