Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-788900
Die Völker Kleinaüens. 
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Fragt man nach der Entfleliung der perfifchen Architektur, fo fcheint es 
unleugbar, daß Harke Einwirkungen des griechifch-ionifchen Styles, wie er in 
Kleinafien {ich ausgebildet hatte, Rattgefunden haben. Dafür fprechen das 
fleinerne Giebeldach am Grabmal des Cyrus, fowie die Behandlung der Säulen- 
flärnme, die weiche Form der Bafen, das dreitheilige Gebälk, die Perlenfchnüre 
an Kapitülen und Gelimfen, endlich die Kapitäl-Voltiten. Selbft die wunderliche 
Anwendung letzterer, die nicht liegend, fondern aufrechtflehend behandelt find, 
erklärt {ich daraus, daß ein nicht eben künftlerifclu geartetes Volk in einer Periode 
beginnender Ueppigkeit jene Motive entlehnte, um lie in eigenxxrilliger, durchaus 
unconllzructiver, aber phantaflifch-piltanter Weite zu benutzen. Dies wurde er- 
möglicht durch die leichte Bcfchaffeimheit des Oberbaues, in delfen Holzconflruktion 
wir eine den vorderafiatifchen Völkern gemeinfame Eigenthtinalichkeit zu erkennen 
haben. Die Form der bekrönenden Geiimfe fcheint dagegen ein von Aegypten 
übertragenes Motiv zu fein, welches man in einer dem heimifchen Gefühle zu- 
fagenden Weife umbildcte. 
VIERTES 
KAPITEL. 
Kleinasiatische 
Baukunst. 
Klcinasien war in früher Zeit ("chon der Schauplatz einer reichen und man- 
nigfachen. Culturentwickelung. Auf drei Seiten vom Meere umHoiTt-n und von 
fruchtbaren, anmuthigen lHfClD umgeben, unter einem der fchönflen Himmels- 
lh-iche, der alle Bedingungen eines höheren Dafeins in Fülle gewährt, mußte das 
Land durch feine vorgefchobene Lage, durch die ausgedehnte Küftenbildung, durch 
die nahe Verbindung mit dem Orient und Occident bald zur Aniiedelung locken. 
Es fanden denn auch von allen Seiten frühzeitig Einwandcrungen flatt, fowohl 
von arifcheil und femitifchen, als auch von thracifcheil und griechifchen Stämmen, 
die zumeilt an den Küften und auf den Infeln {ich anfiedelten und den Grund zu 
einer mannigfaltigen Cultur legten. 
Während nun an der Weft- und Nordküfie fowie auf den umgebenden lnfeln 
die griechifchen Anfiedler eine Reihe von fclbliändigen Staaten bildeten, treten in 
hiiiorifcher Zeit außerdem als Hauptllämme die Phryger, Lyder und Lycier uns 
entgegen. Die Phryger hatten den mittleren, durch waldreiche Hochebenen aus- 
gezeichneten Bezirk inne; wefilich neben ihnen {aßen in der vom Mäander durch- 
itrömten Landfchaft die Lyder; an der Südküile hatten {ich die Lycier ange- 
iiedelt. Außerdem finden wir nördlich von den Lydern die Myfer und füdlich 
von ihnen die Karer. 
        

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