Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-788882
hoch  daß die Reifenden gewöhnlich in der That hinaufreiten. Das Material 
ili ein fchöner weißer Marmor, der in fo rieligen Blöcken gebrochen ill, daß 
manchmal 10-15 Stufen aus einem Stück gehauen lind. Auf der nächllen 
Platfornl angelangt, kommt man zu einer dreifachen Eingangshalle, die aus 
Mauerpfeilern und fchlanken Säulen beliebt. An den Pfeilern begrüßen uns in 
gewaltiger Bilderfchrift des Palaltes Hüter: an dem vorderen Paare zwei kolollhle 
Stiere, ähnlich denen zu Nimrud; an dem inneren zwei geßügelte, 19 Fuß hohe 
Stiere mit Menfchenköpfen. Schreiten wir auf dem mit polirten Marmor-tafeln 
von tingeluetterer Größe bedeckten Plateau weiter vor und wenden uns zur 
Rechten, fo wird der Blick durch die Säulenhalle der oberlten Terralle, durch 
die zweifach doppelten, mächtigen Treppen, die zu beiden Seiten hinaufführen, 
durch die zahlreichen Sculpttuwverke, mit denen die vorderen Treppenwangen 
ganz bedeckt lind, auf's Großartiglte überrafcht. Es lind die Darllellungen feier- 
licher Aufzüge des in langen Reihen einherfchreitenden Hofltaates, fowie der 
Abgeordneten von rerfchiedenen Völkerfchaften, die Tribut zu bringen fcheinen. 
Daneben die Speerträger der königlichen Leibwache und außerdem  wie es 
fcheint in fymbolifcher Anfpielting auf die Macht des Herrfchers  ein Kampf 
des Löwen mit dem Einhorn. Auf den wiederum fehr fanft anlleigenden Treppen 
erreicht man endlich die oberlle Platform, die in der bedeutenden Ausdehnung 
von 250 und 380 Fuß mit zerbrochenen Küpllfälöll, Säulenfchäften und zahl- 
lofen Trümmerhatlfeim überliiet ill. Hier ltand ein Mittelbatl von 26 quadratifch 
in Reihen geordneten Säulen, welchem vorn und zu beiden Seiten Doppel- 
kolonnaden von je fechs Säulen, gleichlam als Vorhallen, vielleicht als Aufent- 
haltsort für Diener und Hofbeamte, hinzugefügt waren. 
Noch zwei andiere Terrallen erheben lich über diefer Platform, zu denen 
ebenfalls breite Doppeltreppen, die jedoch größtentheils zerltört lind, hinaufführen. 
Eine Menge anderer Gebäude mit säulengetragenen Sälen, kleineren Gemächern 
und Vorhallen lind nur noch in Trümmern vorhanden.  
XVas den Bauflyl anlangt, fo ill die terrailenartige Anlage zunächfl be- 
nmerkenswerth. Sodann ill die schlanke luftige Form der Säulen befonders 
charakterillifch. Bei 55 Fuß Höhe haben Iie kaum 4 Fuß im unteren Durch- 
meffer; den" flraifen, etwas verjüngten Stamm umgeben rinnenartige Vertiefungen 
(Kanellurenli, die,' wie in der griechifch-ionifchen Architektur, durch Stege ge- 
trennt iind. Die Baiis befleht aus einem oder mehreren runden Wulllen, zu 
denen ein gefchwungener, mit Lotosblättern befetzter, {Chr fChlllnkef Ablauf ÜCh 
gefeilt. Das Kapitäl wird größtentheils, wie bei den Fagaden der oben be- 
trachteten Felfengräber, aus zwei Stieren oder Einhörnern gebildet, zwifchen 
deren Rücken man lich das Gebälk des Oberbaues zu denken hat (Fig. 57). 
Daneben erfcheint eine andere Form (Fig. w, die {ich baucbig zufammenzieht, 
am oberen engeren Ende von einem Bande zufammengefaßt und ganz von herab- 
fallenden Lotosblättern bedeckt. Sodann folgt ein- kelchförmig aufknospendes 
Glied, mit Perlenfchnüreri decorirt, auf welches endlich ein feltfam mit aufrecht- 
bke, 
Bauftyle.
        

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