Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-788806
über das Land vertheilen follten. Der Tigris dagegen, defTen reißend fchnelle 
Strömung in der trockenen Jahreszeit Mangel an Waffer erzeugte, wurde durch 
Steindämme, deren mächtige Ueberrellc noch jetzt Aufmerkfamkeit erregen, in 
(einem Laufe gehemmt. Gegen die Einfälle der nördlich angrenzenden Berg- 
völker fuchte man {ich durch eine hohe Mauer, die vom Euphrat bis zum Tigris 
das Land abfperrte, zu fichern. 
Weifen diefe Unternehmungen, deren Spuren zum Theil die Jahrtaufende 
überdauert haben, fchon auf eine große Rührigkeit hin, fo lind die Nachrichten 
der alten Schriftiieller von der Größe jener Städte, der Pracht und der Menge 
ihrer Gebäude geeignet, diefen Eindruck bis in's Wunderbare zu fteigern. Ba- 
bylon wurde in einem Umfange von 480 Stadien oder beiläufig I2 geogra- 
phifchen Meilen von Mauern umgeben, die bei einer Höhe von 50 bis 300 Ellen 
fo breit Waren, daß ein Viergefpann auf ihnen bequem umwenden konnte. In 
der Stadt ragte unter den Prachtwerlten der Tempel des Belus oder Bal durch 
feine Koloifalität hervor, ein in acht Stockwerken {ich verjüngender Bau von 
quadratifcher Grundfläche, der an der Baiis an 600 Fuß in's Geviert und eben 
fo viel an Höhe maß. Eine Treppe zog (ich um diefe acht Abfätze herum und 
führte zu einem Tempel, der das oberfle Gefchoß einnahm und goldene Statuen, 
fowie das Ruhebett und den goldenen Tifch des Gottes umfchloß. Eine Mauer 
von anderthalb Meilen im Umkreis diente dem heiligen Tempelraum als Um- 
friedigung. Nicht minder bedeutend waren die beiden königlichen Paläfte, deren 
jüngerer und prächtigerer dem grofsen Nebukadnezar feine Entfiehung verdankte. 
Diefer König umgab die Stadt mit einer dreifachen Mauer und führte das 
Wunderwerk der hängenden Gärten auf, welche die Sage mit dem Namen 
der Semiramis in Verbindung fetzt. 
Gegenwärtig ahnt man nur in den öden Trümmerfeldern, die {ich in der 
Gegend des Dorfes Hillah mehrere Meilen in der Runde auf beiden Ufern des 
Euphrat eriirecken, die alte mächtige Königsftadt Babylon. Ungeheure Schutt- 
hügel, fo umfangreich, daß man für den eriten Augenblick iie für Werke der 
Natur halten möchte, erheben {ich noch jetzt als die Reße der hervorragendften 
Gebäude. Diefer Zuftand der Zerflörung ift durch die Befchaffenheit des ver- 
wendeten Materials bedingt. Denn da das Land, weithin ein alluvialer Schlamm- 
boden, keinerlei Geliein bietet, fo waren die Babylonier gezwungen, ihre Bauten 
mit Ziegeln auszuführen, die entweder an der glühenden Sonne jenes Erdftrichs 
gedörrt, oder im Feuer gebrannt wurden. Diefe lind nun zum Theil verwittert, zum 
Theil durch Brand zerftört und verglaii. Auch wufchen die gewaltigen Regen- 
güife, welche die Winterzeit jener Gegenden begleiten, tiefe Rinnen und Schluchten 
in die bereits zerftörte Oberfläche, die Winde überwehten iie mit dem Sande der 
Wüfte, und endlich holten die Araber Steine von dort hinweg zur Erbauung 
ihrer Wohnungen. 
 Bedeutendere Auffchlüile haben wir durch 
Botta, fpäter Layard und in nedeßer Zeit 
die Ausgrabungen erhalten, welche 
Place i1_1 den Gegenden gemacht
        

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