Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-788766
Fig. 41) belleht nur aus einer rechtwinkeligen, überdeckten und von Säulen um- 
gebenen Halle. Vermuthlich diente er als heiliges Thiergehege. Auch der große 
Tempel zu Edfu (Apollinopolis magna) gehört hierher, eins der glänzendflen 
Werke ägyptifcher Kunll. Außer dem oben unter Fig. 37 gegebenen Aufriß 
feiner prächtigen Pylonen-Faeade gewährt Fig. 42, der Querfchnitt durch den 
unbedeckten Vorhof, eine Anfchauung von der zierlich reichen Ausllattung feiner 
WandHächen, Brüflungsmauern und Säulenfchäfte. 
Noch find hier die Pyramiden von Meroö in Ober-Nubien zu nennen, eine 
fpäte Nachahmung der großen unterägyptifchen Pyramiden. Doch unterfcheiden 
Iie {ich in formeller Hinficht wefentlich von jenen; denn nicht allein, daß (ie von 
geringerer Größe lind  die höchllen nicht über 80 Fuß  und von verhält- 
nißmäßig fchmaler Grundlage viel fieiler anßeigen; auch die Hinzufügung einer 
mit Pylonen gefchmückten Vorhalle und die Anordnung einer Nifche über dem 
Eingange derfelben ill ihnen charakterillifch. 
Faffen wir die Merkmale in's Auge, welche den Styl der ägyptifchen Ar- 
chitektur ausmachen, fo iil zunächfl die Solidität der ganzen aus Stein errich- 
teten Conßruction zu beachten; und zwar tritt das Princip der horizontalen Stein- 
balkendecke entfchieden auf und prägt auch an den übrigen Bautheilen (ich 
deutlich aus. Die Holzarmuth des Landes, der tmerfchöpfiiche Reichthum an 
trefflichen Steinarten, Granit, Bafalt, Sandliein, Porphyr, Marmor und Alabafler 
führte die Einwohner fchon früh auf dicfe Bauweife und brachte fie zu einer 
Technik in Behandlung des fchwierigflen Materials, die noch jetzt unerreicht da- 
fteht. Außerdem bot das überreich bevölkerte Land den Herrfchern eine Menge 
von Arbeitskräften zur Ausführung ihrer Riefcnbauten dar. War einmal der 
Steinbau für die Bedeckung der Räume geboten, fo folgte daraus die Anordnung 
vieler flämmigen, kurzen Säulen in geringen Abfländen, die den mächtigen Deck- 
balken als Stütze dienten. Soviel Säulenreihen, fo viele Reihen von Balken, die 
von einer Kapitälmitte bis zur andern, auf der viereckigen Deckplatte über dem 
Kapitäl lagernd, lich flrecken und mit großen Steinplatten überdeckt find, die in 
der Mitte des Balkens zufammenfioßen. Aus diefer Conflruction ergab {ich auch 
ohne Zweifel das fchräge Anfleigen aller  
Außenmauern, die ein feft begründetes, in  
{ich zufammenhängendes Strebefyfiem als     Y 
Gegendruck gegen die wuchtenden Stein-    
decken bildeten. . i i_ Ämä Ä .3; 
Der Rundflab, mit welchem man alle    WWNMLV. 
Mauerecken einfaßte und die flark vertretende  DA 
 Fig. 43. KrxtnzgclimS. 
Hohlkchle des bekrönenden Gelirnfes mit 
ihrer tiefen Schattenwirkung (Fig. 43) lind Beweife vom Streben nach lebendiger 
Gliederung derlilaifen. Jene Hohlkehle wird mit einem, zufammengebundenen
        

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