Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-788744
haupt fcheint auf diefem Ufer die Todtenlladt gelegen zu haben. Die bedeu- 
tendlien Gräber finden {ich in einem Felsthale, welches Biban el Moluk (die 
Pforten der Könige) genannt wird. Ein einziger Zugang führt in diefe von {teil 
auffteigenden Felswänden umfchlolfene Schlucht, in welcher die lenkrecht ein- 
fallenden Sonnenllrahlen eine glühende Hitze erzeugen. Eine Menge von Oeli- 
nungen lind in den Fellen gemeißelt, welche mit langen Corridoren und Gemächern 
in Verbindung liehen. Jedes Grab bildet eine gefchlolfene, in das Gebirge hinein- 
gearbeitete Anlage, die in einem prachtvollen Pfeilcrfaale den Sarkophag des 
Königs birgt. Alle Wandflächen lind mit Reliefs bedeckt, die, in bunten Farben 
von dem goldgelben Grunde {ich abhebend, diefem Gemache den Namen des 
„goldenen Saales" gegeben haben. 
Aber nicht allein im glanzvollen Mittelpunkte des neuen Reiches, fondern 
auch an den entlegenen Grenzen delfelben, in Nubien, haben lich zahlreiche 
Spuren der Batithätigkeit jener mächtigen Herrfchei" erhalten. Das großartiglle 
diefer Denkmäler, die fämmtlich aus dem Felsgebirge herausgehöhlt und als 
königliche Todtenballen zu betrachten lind, befindet {ich bei lpfambul (Abu 
Simbeli. Es ill den Hieroglyphen zufolge unter dem großen Ramfes entltanden 
und erfcheint unter den Denkmälern diefer Art als das kolollallle. Zwei Faca- 
den lind in die Felswand eingehaueil, die größere von 117 Fuß Breite und 100 
Fuß Höhe. Die rieligllen Steinbildcr Aegyiwtens (mit Ausnahme der berühmten 
Sphinx bei der großen Pyramide von Memphis), vier an der Zahl, die litzend 
eine l-löhe von 65 Fuß erreichen, bewachen den Eingang. Diefer führt in eine 
Vorhalle, an deren Pfeilern kololfale (iellalten, wie es feheint von Prieftern, die 
Arme über die Brult gekreuzt, in feierlich großartiger Haltung liehen. Sodann 
gelangt man durch zwei kleinere Hallen in das innerlle Heiligthum, wo wiederum 
vier litzende Kolollalllatuen aus dem Felfen herausgemeißelt lind. Außerdem 
crltrccken {ich zu beiden Seiten diefer Mittelräume noch mehrere Nebenfäle, alle 
gleich jenen grottenartig aus dem Gebirge herausgehöhlt. An den Wänden er- 
blickt man in zahlreichen Sculpturen die Thaten des Ramfes, der, in ungewöhn- 
licher Größe dargeltellt, von feinem Kriegswagen herab die Feinde vernichtet.  
Jene kleinere Grottenanlage hat an ihrer Facade fechs kololfale Figuren, die indeß 
(lebend und als Hochreliefs behandelt Gnd. Die Vorhalle wird hier durch die 
Pfeiler, die {latt der Kapitäle Ilisköpfe haben, getragen. Im Uebrigen ilt die 
Anlage mit jener zuvor befchriebcnen verwandt. 
Aehnlich lind die Grotten von Derri, auf der gegenüberliegenden arabifchen 
Seite des Nil, angeordnet, nur daß lie des Faeadenfchmuckes entbehren. Die 
Grotten von Girfcheh haben fogar einen freigebauten Vorhof, delfen Eingang 
durch einen Pylon bezeichnet wird. 
In der Abgefchloffenlueit des ägyptifchcn Charakters war ein zähes Feflhal- 
ten am Einheimifchen, alterthümlieh Ueberlieferten nothwendig gegeben. Daher 
fehcn wir noch in den fpäteren Bauten ein Beharren an der einheimifchcn 
Ruuweifc. Doch hatten {ich im Verlaufe hifiorifchcr Entwicklung gewitTe Um- 
3.
        

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