Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-788709
Gefüllt des 
ägyptifclmela 
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Man findet fogar unfertige Pyramiden, die noch jetzt die terraifenartige Geltalt 
der erfien Anlage zeigen. Auch fonft iil: man neuerdings durch gründliche Unter- 
fuchungen zu überrafchenden Auffchltiffen über die Art der Entftehung diefer 
Baukoloffe gelangt. Danach bergen die größten unter ihnen im lnnern den Kern 
einer viel kleineren Pyramide, mit der man zuerfl den Bau abfchloß. Sodann 
legte man einen Mantel um diefelbe und fügte in einer noch fpäteren Bauepoehe 
gar einen zweiten hinzu, wodurch endlich die Pyramiden zu ihrer jetzigen Un- 
geheuerlichkeit anwuchfen.  
Den Pyramiden liehen an Alter zunächft die Felfengräher von Beni-Haffa n 
in Mittel-Aegypten, eine Reihe mächtiger Aushöhlungen, welche Grabkammern 
enthalten. Sie öffnen lieh nach außen mit einer Halle, deren Stützen eine fonil 
in Aegypten fehr feltene Geflalt haben. Von achteekiger Grund- _  
forrn und mit einer einfachen Platte überdeckt, fcheinen lie  M; 
einen Uebergang vom Pfeiler zur Säule zu bilden. Eine andere  
hier vorkommende Säulenform ift fechzehnkantig mit ausgetieften Hi 
Rinnen nach Art des dorifchen Sätilenfchaftes (Fig. 36). Man  
hat He deshalb wohl die protodorifche (vordorifche) genannt.  
l - 
 lt 
Die wichtigflen Denkmäler des neuen Reiches find  
jene großräumigen Bauwerke, in welchen man die Tempel der  
alten Aegypter erkannt hat. Auf einer mächtigen Terraile von ll 
Ziegelfleinen, die ihn über das flache Ufer des Stromes erhebt,   
mit der Vorderfeite diefem zugewandt, {iellt lieh der ägyptifehe 
Tempel dar. Hohe, fchräg anfleigende Umlalliingsinaueril feheiden wg); 
ihn Rreng von der Außenwelt ab. Keine Oetfmingen durchbrechen 
die eintönige Pfläche, und felhft die Thore haben mehr einen abwehrenden als 
einladenden Charakter. Der Eingang befleht nämlich aus einer fchmalen, hohen 
Oeifnting, die von einem etwas vorgefchobenen Portalbau eingerahmt wird. Zu 
beiden Seiten erhebt {ich auf rechtwinkliger Grundlage ein fehräg auffteigeilder, 
thurmartiger Bau, der fogenannte Pylon (Fig. 37). Auch diefer bietet dem Auge 
keinerlei Gliederung. Die horizontalen Bänder, die ihn umziehen, dienen nur 
den farbigen Bildwerlten, welche alle Flächen bedecken, zum Abfchltiß; die 
fehlitzartigen Vertiefungen neben dem Eingange waren beftimmt, Malibätlme mit 
wehenden Wimpeln als feftlichen Schmuck aufzunehmen. Die Ecken werden 
durch einen verzierten Rundftab eingefaßt, und den oberen Abfchluß der Pylonen, 
wie aller Außenliächen, bildet unter einer Platte eine hoehfieigende Hohlkchle, 
die mit ihrer kräftigen Sehattenwirlaung dem Malfeneharaläter des Ganzen wohl 
entfpricht.  
Manche andere Zierdcn pflegen oft_hinzuzutreten, um die Bedcutfamkcit des 
Hauptportales zu erhöhen. Dahin gehören befonders die Obelisken, fowie 
laololihle Bildnißilatueil zu beiden Seiten des Einganges.
        

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