Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Abriss der Geschichte der Baustyle
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-787987
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-788695
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Pyramiden, die dem alten Reiche von Memphis in Unter-Aegyptcn angehören. 
Die letzte Zeit, den Höhenptinltt des alten Reiches, bezeichnen die Felfengräber 
von Beni-Ilallhn in Mittel-Aegypten und wahrfcheinlich der als großer Walfer- 
läßllülüfl" ausgegrabene Mörisfee. Die Herrfchaft der Hykfos wurde nach fünf- 
hundertiährigeni Bcflehen von Thutmofis (Tutmes) III. durch einen langen Krieg 
gebrochen. Von da beginnt der Auffchwtmg des neuen Reiches, das unter Ramfes 
Miamun, dem großen Eroberer, der feine fiegreichen Waffen bis in ferne Länder 
trug, feine glorreichfte Zeit erlebte. Diefe Epoche dauerte Jahrhunderte hindurch, 
bis etwa 1260 v. Chr. In diefer Zeit war Theben der Mittelpunkt der Herr- 
fchaft. Danach erlebte Aegypten mancherlei Schickfale, zuletzt eine Zwölfherr- 
fchaft, welcher Pfammetich um 670 v. Chr. ein Ende machte. In feine Zeit fallen 
die erften Beziehungen zu Griechenland, während Aegypten früher in {Irenger Ab- 
gefchlollienheit von fremden Einflüllen lieh fern gehalten hatte. Aber mit dem 
Verlaffen jener (irundfätze, auf welchen die Kraft der nationalen Iälntwviclalting 
beruht hatte, war das Zeichen zur inneren Autlöfting gegeben, welcher dann 
auch durch die perlifche Flroberung der äußere Verfall folgte. 
Als die Hykfos eindrangen und auf den Trümmern der alten Pharaonen- 
DynaIIie ihre Macht begründeten, fcheineil nur wenige Denkmäler der Zerliö- 
rungswuth der fremden Eroberer Trotz geboten zu haben. Unter ihnen lind die 
bedeutenden und ältefien die Pyramiden von Memphis. Sie liegen in einer 
Ausdehnung von ungefähr acht Meilen in Gruppen zerIIreut, welche nach den 
benaehharteil Dörfern Ghizeh, Daifchur, Meidun, Saccara benannt werden. Ihre 
Zahl beläuft lieh auf ungefähr vierzig, und ihre Größe variirt in vielen Abfiufungen. 
Die größten, welche der (iruppe von (jhizeh angehören und von den Königen 
Cheops (Chufu) und Chefren den Namen führen, haben eine GrundHäche von 
Liber oder nahe an 700 Fuß im Quadrat, eine Ilöhe von faii 4.50 F. Die ältelte, 
die des (ihefren, maß tirfprünglich 707 F. bei 454 F. Höhe, die des Cheops 
764 F. bei 4.80 F. I-Iöhe. Dazu kommt als dritte die des Mencheres von 324 F. bei 
2.18 F. Höhe. Die gewaltigen Bauten lind in compacter Made aus großen, bis 
zu 20 F. langen Bruchlieinen, zum Theil auch aus Ziegeln aufgeführt und genau 
nach den Ilimmelsgegenden gerichtet. Das Volumen der einen Pyramide hat man" 
auf mehr als 74 Millionen Kubikftiß berechnet. Nur einige fchmale Gänge führen 
in den Kern derfelben zu einer kleinen Grabkammer, welche den Sarkophag 
des königlichen Erbauers birgt. In der Pyramide des Cheops finden {ich 
fogar drei Kammern. Die Pyramiden waren mit glänzenden Granitplatten 
bekleidet, auch der Eingang in's Innere war durch eine folche Granitplatte ver- 
deckt. U11] diefe Bekleidung anbringen zu können, wurde das Werk in Abfätzen 
aufgeführt und dann mit der Vollendung von oben nach unten fortgefchritten.
        

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